|
1896 zog im Münchner
"Kunstsalon Littauer" eine Ausstellung mit 35 Stickereien,
die von Hermann Obrist entworfen und von Berthe Ruchet in meisterhafter
Sticktechnik ausgeführt waren, die Kunstwelt in ihren Bann. Durch
diese Ausstellung, die auch in der "Arts and Crafts Exhibition
Gallery" in London und weltweit große Resonanz erfuhr, errang
die Stickerei als Kunstform um die Jahrhundertwende ganz neue Bedeutung.
Gleichzeitig wurden funktionale Aspekte, wie Hygiene und der praktische
Wert eines Textils, im Zuge der Lebensreformbewegung hervorgehoben.
In Zeitschriften wie Deutsche Kunst und Dekoration und Dekorative Kunst
nahm die künstlerische Stickerei einen angemessenen Platz ein.
Die Ausstellung bietet die seltene Gelegenheit, unbekannte oder seit
vielen Jahren nicht mehr gezeigte Textilien des Münchner Jugendstils
zu sehen. Sie umfasst wegweisende Stickereien von Hermann Obrist, Margarethe
von Brauchitsch, Fritz Schmoll von Eisenwerth und Herthe von Wersin,
Web- und Druckstoffe von Richard Riemerschmid und Arbeiten anonymer
Künstler. Alle Werke stammen aus der herausragenden Jugendstil-Textil-Sammlung
des Münchner Stadtmuseums. Zu dieser Ausstellung erscheint ein
vom Museum Villa Stuck und dem Münchner Stadtmuseum gemeinsam publiziertes
Begleitheft.
|