Landeshauptstadt München

 

Museum Villa Stuck

Memory of a square
(perceived from an interior), 2005

Gülsün Karamustafa

23. November 2006 - 14. Januar 2007

      Abbildung:
Videostill aus Memory of a square (perceived from an interior) 2005
© Gülsün Karamustafa
 

Das Museum Villa Stuck präsentiert zum Abschluss der Ausstellungsreihe 0606 die Videoinstallation Memory of a Square (perceived from an interior) der Künstlerin Gülsün Karamustafa aus dem Jahr 2005. Karamustafa macht in ihrer Arbeit deutlich, wie sehr die politische Sphäre mit der privaten verbunden ist, wie stark sie das Leben des Einzelnen beeinflussen kann. Damit steht die Arbeit beispielhaft für das Anliegen der Reihe 0606, anhand zeitgenössischer Künstlerpositionen eine Auseinandersetzung mit Orten und Un-Orten zu führen, persönliche Schicksale ebenso zu beleuchten wie gesellschaftspolitische Themen.

Gülsün Karamustafa wendet sich neben ihren Objektarbeiten und Installationen in den letzten Jahren verstärkt dem Medium Film zu. Dieses Medium erlaubt ihr Geschichten eindringlich zu erzählen, poetische Momente festzuhalten sowie historische und soziale Zusammenhänge zu veranschaulichen.

Im Mittelpunkt des Werkes von Gülsün Karamustafa stehen Themen wie Migration, Fragen der eigenen Identität zwischen West und Ost, die Rolle der Frau in der türkischen Gesellschaft und die politische Entwicklung der Türkei. Die Stadt Istanbul - in der Gülsün Karamustafa lebt und arbeitet - gibt als Mikrokosmos die Themen von globaler Bedeutung vor, denen die Künstlerin in ihren Arbeiten nachgeht.

Stellvertretend für diese Verbindung steht ihre Videoarbeit Memory of a Square aus dem Jahr 2005. Darin verbindet sie die spannungsreiche Geschichte des zentralen Taksim Platzes im Herzen der Stadt mit Szenen aus dem häuslichen Alltagsleben einer Familie. Die als Doppelprojektion konzipierte Arbeit zeigt zum einen dokumentarisches Filmmaterial aus der abwechslungsreichen Geschichte des Platzes von den 1930er bis zu den 1980er Jahren. Gleichzeitig scheint es, als stünde diese Geschichte stellvertretend für die politische Entwicklung des Landes. Demonstrationen, gewalttätige Auseinandersetzungen, Festlichkeiten und das Enthüllen von Denkmälern spiegeln immer auch die aktuelle gesellschaftliche und politische Situation.

Die zweite Projektion zeigt in elf Episoden verschiedene Alltagsszenen einer Familie, die aus drei Generationen besteht. Das Ambiente der Wohnung ist bürgerlich. Es wird nicht gesprochen, lediglich aus Mimik und Gestik lässt sich der emotionale Zustand der Protagonisten ablesen. Über die Musik und einzelne Hinweise wird für die Betrachter eine Verbindung deutlich, ergibt sich ein Zusammenhang zwischen den beiden Projektionen.

Gülsün Karamustafa (*1946) lebt und arbeitet in Istanbul

Einzelausstellungen (Auswahl)
Memory of a Square , Kunsthalle Fridericianum, Kassel, 2006; Black and White Visions , Prometeo Gallery, Mailand, 2006; Gülsün Karamustafa , kunstraum lakeside, Klagenfurt, 2006; Men Crying , Musée d´art Moderne de la Ville de Paris, Immanence Gallery, Paris, 2005; Hold on - Keep Quiet , Liesbeth Lips Gallery, Rotterdam, 2002; Mystic Transport, Trellis of my Mind , Musee d´art et d´histoire, Genf, 1999; Promised Paintings , Black and White Gallery, Ankara, 1998.

Gruppenausstellungen (Auswahl)
IstanbulEindhoven , VanAbbe Museum, Eindhoven, 2005; Projekt Migration , Kölnischer Kunstverein, Köln, 2005; Centre of Gravity , Istanbul Modern, Istanbul, 2005; Love it or Leave it , 5. Cetinje Biennale, Cetinje (Montenegro), 2004; Call me ISTANBUL ist mein Name , ZKM, Karlsruhe, 2004; La Biennale de Venezia, 2003; Echolot oder neun Fragen an die Peripherie , Kunsthalle Fridericianum, Kassel, 1999. "Dream City" , Kunstraum München, Kunstverein München, Museum Villa Stuck, Siemens Kulturprogramm, 1999