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Die Filme dieses Programms markieren verschiedene Punkte des Netzwerks der Gruppe SPUR und der situationistischen Bewegung. SPUR agierte von 1959 bis zu ihrem Ausschluß 1962 als deutsche Sektion der "Situationistischen Internationale" und organisierte 1959 die 3. Konferenz der S.I. in München. Ihrem Anspruch und ihrer filmischen Haltung nach sind die Beiträge dieses Programms sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von anti-cineastischen Experimentalfilmen mit Kunstwerkcharakter bis hin zu soliden Dokumentarfilmen nach dem Muster der öffentlich-rechtlichen Kulturproduktion.
SUR LE PASSAGE DE QUELQUES PERSONNES À TRAVERS UNE ASSEZ COURTE UNITÉ DE TEMPS (ÜBER DIE PASSAGE EINIGER PERSONEN DURCH EINE ZIEMLICH KURZE ZEITEINHEIT) - 1959 - R+B: Guy Debord - K: André Mrugalski - M: Georg Friedrich Händel, Michel-Richard Delalande - Stimmen: Jean Harnois, Guy Debord, Claude Brabant- 19 min, OmeU / CRITIQUE DE LA SÉPARATION (KRITIK DER TRENNUNG) - 1961 - R+B: Guy Debord - K: André Mrugalski - M: François Couperin, Joseph Bodin de Boismortier - D: Caroline Ritterer - Stimmen: Caroline Ritterer, Guy Debord - 18 min, OmeU
Guy Debord war Mitbegründer der "Situationistischen Internationale". Die beiden Filme stechen heraus als radikale Analyse und Infragestellung traditioneller filmischer Mittel vor dem Hintergrund eines erweiterten soziopolitischen Bezugsrahmens. Sie bilden den Kern des frühen Debordschen Gegen-Kinos. ("Contre le cinéma" ist die Sammlung seiner frühen Filmtexte überschrieben.) Es sind Collagen, die sich den Erwartungen an filmische Narration radikal entziehen. Found-Footage-Material aus Propagandafilmen, Seifenwerbung, abgefilmte Pressebilder und Photographien der S.I.-Mitglieder sind mit selbstgedrehten Aufnahmen des Pariser Straßenbildes und kleinen Inszenierungen kombiniert. Von ihrem Gegenstand und ihrer experimentellen Haltung her nehmen diese Filme in vielen Punkten Elemente der Nouvelle Vague vorweg. Darüber gelegte Kommentarstimmen deklarieren situationistische Theoreme, die auch oft wiederum Zitatcharakter haben. Wort und Bild haben gelegentlich Berührungspunkte, ohne sich in Hinblick auf eine Sinnproduktion zu ergänzen. Die erzeugten Bedeutungen variieren vom Insider-Joke bis zu sprengsatzgeladenen kulturrevolutionären Thesen.
SO EIN DING MUSS ICH AUCH HABEN - 1962 - R+B: Albert Mertz - K: Wolf Wirth -
M: Jean Dubuffet, Asger Jorn - Mit HP Zimmer, Maurice Wyckaert, Helmut Sturm, Heimrad Prem, Jørgen Nash - 18 min
Der Film des dänischen Künstlers Albert Mertz wurde ebenso wie SUR LE PASSAGE... und CRITIQUE ... von Asger Jorn produziert. Mertz hatte noch vor dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit Jørgen Roos Dänemarks erste Experimentalfilmgruppe gegründet, die jedoch nur kurz Bestand hatte. In den 40er Jahren war er Mitglied der surrealistischen Künstlergruppe "Linien", später eine der Wurzeln von "Cobra", und verkehrte in Arthur Køpckes Galerie im Schnittpunkt von Fluxus, Neodada und Nouveau Réalisme. Seine weitere künstlerische Entwicklung war von der Aus-einandersetzung mit Konzeptkunst und den neuen Medienbildern geprägt, die er in collageartigen Werken verarbeitete. Der Film bleibt - fast 20 Jahre nach Mertz' frühen Filmexperimenten - solitär in seinem Werk. Er entstand in Zusammenarbeit mit Jørgen Nash und der Gruppe SPUR in München. Getragen wird der Film von einer frei improvisierten Narration und verschiedenen surrealen Effekten. Der disharmonische Soundtrack stammt von einer Schallplatte mit musikalischen Experimenten von Jean Dubuffet. Einer Legende nach fragte Jean-Luc Godard 1967 an, ob er SO EIN DING ... als Kurzfilm vor LA CHINOISE zeigen dürfte, doch da die Situationisten Godards Filme nicht mochten, habe Jorn ihm abgesagt.
AUFBRUCH IN DIE VIELFALT - 1994 - R+B: Peter Buchka - K: Claus Gottschall, Hans Fromm -
P: Bayerischer Rundfunk, München - 23 min - Eine Dokumentation über Heimrad Prem.
Auf eher konventionelle Weise inszeniert der Film Prem als genialischen Künstler zwischen Schaffensrausch, Drogenexperimenten, Kinderschar und zwei Selbstmordversuchen. Aufschlussreich ist der Film vor allem dank mehrerer Ausschnitte aus verschollenen Privataufnahmen von Heimrad Prem, die ihn im Gespräch und bei der Arbeit im Atelier zeigen.
KINDHEIT - 1981 - R+B: Carlheinz Caspari - K: Wolfgang Zeh - P: Norddeutscher Rundfunk, Hamburg - 13 min
Der Film stellt das Bild "Kindheit" von HP Zimmer in den Mittelpunkt und reflektiert die künstlerische Entwicklung Zimmers über die SPUR-Zeit hinaus bis zu den Polsterbildern der 70er Jahre.
Filmmuseum - St.-Jakobs-Platz 1 - 80331 München
Eintrittspreis: 4 € Telefonische Reservierung ab 19.September.: 089/2332-4150
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