Start > Ausstellungen > HERIBERT C. OTTERSBACH. HÄLFTE DES LEBENS - 16. Oktober 2008 bis 11. Januar 2009

Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

Zur Ausstellung: Hälfte des Lebens

Den Auftakt der Ausstellung bildet das Diptychon »Epilog-Pop 68 89«, entstanden 2003. Seinerzeit als Abschluss des 26 Werke umfassenden Zyklus ECHTZEIT6889 gemalt, ist es heute eines der zentralen Bilder der vergangenen Jahre. Präzise und doch umfassend zeigt es exemplarisch die Themen und die motivische Annäherung in den Gemälden Ottersbachs. Hubertus Gaßner, Direktor der Kunsthalle Hamburg, schreibt über den ECHTZEIT-Zyklus: »Auch wenn in dem Werkzyklus ECHTZEIT6889 die historische Chronologie der Ereignisse durch die Verfahren der Gleichzeitigkeit, der Überblendung und der Rückblenden zumindest irritiert und korrigiert, wenn nicht gänzlich aufgegeben worden sind und die Sprünge in Raum und Zeit eher dem Zeitverlauf des Erinnerns und Träumens als dem historischen „So ist es gewesen“ zuzurechnen sind, bildet die Gemeinsamkeit der 26 doch keinen willkürlichen „Scherbenhaufen“, sondern folgt einer exakten Regie«.

Weitere Bilder aus den Jahren zwischen 2002 und 2006 vertiefen diesen Einblick in das malerische Moderne-Projekt des Künstlers: etwa »2 abstrakte Maler auf der Suche nach dem Konkreten«, 2002, »Pixelpark«, 2002, oder »Vermeers Schwester«, 2005. Historische Refenzen in den Werken Ottersbachs offenbaren den skeptischen Blick des Künstlers auf die Geschichte, aber auch auf das Konstrukt des Künstlers als »Heilsbringer der Moderne.« Arbeiten wie »Argonauten (II)«, 2005 wirken distanziert und sind trotz ihrer Gegenständlichkeit doch nur abstrakte Verweise auf die Ereignishaftigkeit der Bilder. Jason, Anführer der Argonauten, als Versinnbildlichung des Künstlers taucht in Ottersbachs Arbeiten immer wieder auf, doch stets ist er dem Scheitern näher als dem Erfolg.

Die Frage nach dem Selbstverständnis des Künstlers, dessen »kulturtherapeutischer Auftrag gescheitert ist« (Heribert C. Ottersbach), verdeutlichen auf dem Zwischengeschoss drei Arbeiten Ottersbachs. Und stehen zugleich für die Suche und – unerfüllten – Sehnsüchte des Künstlers: »Fahrt in die Zone (Stalker)«, »Jason im Glashaus«, 2003 oder »Don Quichotte«, 2003. Weitere Arbeiten leiten zum zentralen Thema der Ausstellung über: den »Idylle« und »Melancholia« Bildern aus den Jahren 2006 und 2007.

Das Obergeschoss des Ateliergebäudes besteht aus drei großen Themenblöcken. Den Anfang macht das Motiv des Waldspaziergangs, die Reihe wird dominiert durch das Werk »o.T. (großer Waldspaziergang)«, 2006. Hier zeigt sich die »fast magische Wirkung und enorme Sogkraft« der Naturmotive Ottersbachs. Die monochrome Farbgebung wird zum Hauptstimmungsträger, zartes Grau, Grau-Blau oder Sepia lenken den Blick auf die Komposition der teils monumental erscheinenden Werke (vgl. Text von Andrea Firmenich im Katalog).

Es folgt das Triptychon »Narrenschiff«, 2006, dessen Grundmotiv der Künstler auf drei neben einander stehenden Tafeln variiert: Figuren vor einer mit Reklametafeln fast verhüllten Fassade entstammen einer Aufnahme aus dem 2005 fast vollständig überschwemmten New Orleans. Ottersbach abstrahiert das konkrete Ereignis durch die Vervielfältigung der Darstellung und deren farbliche Variation. »Wie auch bei anderen Arbeiten durchziehen in unterschiedlicher Dominanz rechteckige, gedrungene oder lang gezogene Flächen wie Bildstörungen die Arbeiten. Diese visuellen Elemente der Irritation verhindern den unversehrten Blick auf das Motiv und beschädigen seinen Anspruch auf Absolutheit« (vgl. Text von Johannes Janssen im Katalog).

Der Raum endet mit sechs »Pastoralen« sowie den beiden Naturmotiven »Blow up«, 2006/07 und »o.T. (Quelle 2)«, 2007, beides Acryl auf Leinwand, der bevorzugten Technik des Künstlers.

Der letzte Ausstellungsraum zeigt neun großformatige Tusche-Zeichnungen. In technischer Perfektion orientieren sie sich an den großen Naturdarstellungen, bieten durch die spezielle Technik jedoch einen ganz eigenständigen Blick, der sich im tiefen Schwarz der Tusche verfängt.