Start > Ausstellungen > Honoré Daumier. Provocation et Finesse - 23. April bis 28. Juni 2009

Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

Zur Ausstellung: Honoré Daumier. Provocation et Finesse

Die Ausstellung führt den Besucher durch die zentralen Werkserien Honoré Daumiers, die auf drei Etagen im Ateliergebäude des Museums Villa Stuck präsentiert werden.

Der umfangreichste Zyklus von Lithographien ist der »Actualité« (Tagesgeschehen) genannte, der über einen Zeitraum von 25 Jahren im Satirejournal »Le Charivari« erschien. Die tagespolitischen Karikaturen Daumiers machen fast ein Viertel seines lithographischen Werkes aus. Sie wurden immer nur dann veröffentlicht, wenn die staatliche Zensurbehörde, eine sehr launige Instanz, milde gestimmt war. Waren die Zensoren gerade ungnädig, beschränkte sich Daumier auf unverfängliche Alltagsthemen. Die wichtigsten Blätter erschienen 1850/51, kurz bevor der zensurfreudige Napoleon III. zum Kaiser ernannt wurde.

Die von 1832 bis 1833 publizierte Serie »Célébrités de la Caricature« (Berühmte Persönlichkeiten aus der Caricature) zeigt prominente Politiker. Zum Teil mit einem Fantasie-Wappen versehen, verspottete Daumier in den Porträts deren Eigenheiten. Er fertigte zuerst Tonbüsten, die er dann abzeichnete und auf den Lithographiestein übertrug. Die Lithographien erschienen zuerst in »La Caricature«, später in »Le Charivari«.

»Les Bons Bourgeois« (Die braven Bürger) gehört zu den bedeutendsten nicht-politischen Serien Daumiers; sie erschien zum größten Teil zwischen 1846 und 1865. Daumier karikierte darin den Kleinbürger in Zipfelmütze und Nachthemd und zeigt ihn als einen Mitläufer, der versucht, dem Großbürgertum nachzueifern. Die Ungleichheiten zwischen Mann und Frau werden hervorgehoben, die Emanzipationsbewegung von Daumier belächelt.

Die von 1836 bis 1838 veröffentlichte Serie »Caricaturana«, auch bekannt unter dem Namen »Les Robert Macaires«, war so erfolgreich, dass sie auch in Holland, Belgien und Brasilien nachgedruckt wurde. Die Septembergesetze, die eine personifizierte Karikatur verboten, veranlassten Daumier, die Figur des Robert Macaire in seinen Bildkosmos einzuführen. Er griff mit ihr das System des »Juste Milieu« (den gemäßigten Regierungsstil Louis-Philippes) und die damit verbundene Selbstbereicherung an. Die Figur des gerissenen Robert Macaire tauchte erstmals 1823 in dem Theaterstück »L'Auberge des Adrets« von Benjamin Antier auf. Der Legende nach soll Robert Macaire schon im Jahr 1371 am Hofe Charles V. sein Unwesen getrieben haben, wo er angeblich einen Adeligen ermordete. Bei Daumier personifizierte Macaire den skrupellosen Geschäftsmann, der mit Aktien spekuliert, Firmen in den Ruin treibt. und dem leicht und schnell verdientes Geld wichtiger ist als die Moral.

Im Auftrag von Charles Philipon, dem Herausgeber von »La Caricature« und »Charivari«, schuf Daumier zwischen 1831 und 1835 bemalte, ungebrannte Tonskulpturen von Politikern. Daumier begründete mit ihnen ein neues Genre, die Karikaturplastik. Sie dienten ihm als Modell für seine späteren Karikaturen der Serie »Célébrités de la Caricature« und wurden für Bronzeabgüsse herangezogen, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind. Die Parlamentarier-Büsten waren ursprünglich nicht als eigenständige Kunstwerke gedacht, doch erinnert ihre Modellierung an die späteren Arbeiten von Rodin und Medardo Rosso.

Die von 1847 bis 1852 publizierte Serie »Tout ce qu'on voudra« (Wie es euch gefällt) behandelt Alltagssorgen, ähnlich wie schon die Serie »Les Bons Bourgeois«. Daumier beschäftigte sich in diesem Zyklus mit der industriellen Revolution und deren Errungenschaften. Die Dampfmaschine ermöglichte den Menschen ihre gewohnte Umgebung zu verlassen und mit der Bahn zu reisen. Ferner zeigte Daumier lebensnahe, humorvolle und nachdenkliche Momente.

Auch in seiner von 1839 bis 1841 erschienenen Serie »Emotions Parisiennes« (Pariser Emotionen) beobachtete Daumier seine Mitmenschen sehr genau. Mal humorvoll, mal sarkastisch arbeitete er die Schwächen der Bürger heraus, die das ausschweifende Verhalten des Geldadels imitierten und dabei Gefahr liefen, die soziale Leiter herunterzufallen.

In »Types Parisiens« (Pariser Typen) karikierte Daumier von 1840 bis 1843 den Spießbürger, wie man ihn im Österreich und Deutschland der Biedermeierzeit findet. In Genrebildern führte er seiner Leserschaft in vielen Karikaturen das eigene Leben vor Augen. Humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger enthüllte er die Fehler und Unsitten seiner Mitbürger.


Weitere Informationen finden Sie in „Wussten Sie schon, dass…“ (PDF), eine Materialsammlung und ein Informationsangebot des Museums-Pädagogischen Zentrums, München (MPZ) in Zusammenarbeit mit dem Museum Villa Stuck.