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AFTERMATH of art jewellery

Künstlerinnen und Künstler

Sigurd Bronger (geb. 1957 in Oslo, lebt und arbeitet in Oslo) ist in der Ausstellung mit seinen sogenannten »Carrying Devices« vertreten, Tragevorrichtungen für obskure Objekte wie Gallensteine oder Straußeneier aber auch für Schmuckstücke anderer Künstler. In diesen Arbeiten kombiniert er auf absurde Weise die verschiedensten Materialien und verwendet technisch-wissenschaftliche Instrumente in feinsten Konstruktionen. Bronger wurde 2012 der renommierte Torsten & Wanja Söderberg Preis verliehen, 2011 hatte er eine große Einzelausstellung im Lillehammer Art Museum und im gleichen Jahr wurde das Buch »Laboratorium Mechanum – Schmuck und Design« mit Brongers Objekten veröffentlicht.

Reinhold Ziegler (geb. 1965 in Kristiansund, lebt und arbeitet in Oslo) behandelt seine Schmuckarbeiten als rituelle Objekte. Er verwendet dabei Gegenstände wie eine Zange, einen Hammer oder ein Lot, die er zu kostbaren Schmuckobjekten transformiert und ihre Funktion gleichsam spirituell überhöht. Ziegler fühlt sich hier jedoch nicht einem esoterischen Verständnis verpflichtet, sondern unterstreicht mit seinen Objekten vielmehr die Individualität des Trägers.

Runa Vethal Stølen (geb. 1975 in Oslo, lebt und arbeitet in Oslo) und Ingeborg Resell Elieson (geb. 1983 in Oslo, lebt und arbeitet in Oslo) sind die beiden jüngsten norwegischen Vertreterinnen in der Ausstellung. Die feingliedrigen Draht-Objekte von Stølen muten fast skulptural an, die Künstlerin greift in ihnen das Spiel zwischen Chaos und Ordnung auf. Die Broschen sind fragil und leicht einerseits und doch gleichzeitig auch voluminös und geometrisch konstruiert. Ingeborg Resell Elieson hat im vergangenen Jahr als Absolventin die Akademie in Oslo verlassen und hat vorab eine Ausbildung zur Goldschmiedin durchlaufen. In ihren hybriden Objekte dreht sich viel um die Verwendung von Materialien wie Marmor und Nylon, Palisander und Kunststoff, die Elieson beständig sammelt, reinigt, umarbeitet und für ihren Schmuck »recycelt«.

Gefragt nach der Ausbildung im Schmuck-Bereich insbesondere im Vergleich zwischen skandinavischen und international Traditionen, verweisen die vier norwegischen Künstlerinnen und Künstler im Buch zur Ausstellung immer wieder auf die Arbeit von Otto Künzli, Professor für Goldschmiekunst bzw. der Klasse für Schmuck und Gerät an der Münchner Akademie seit 1991. Ihm widmet zeitgleich mit der Ausstellung im Museum Villa Stuck die Neue Sammlung eine Retrospektive in München. Die vier in der Münchner Abteilung von AFTERMATH vertretenen Künstlerinnen und Künstler sind allesamt Absolventen bei Prof. Künzli.

Norman Weber (geb. 1964 in Schwäbisch-Gmünd, lebt und arbeitet in Kaufbeuren) setzt den zeitgenössischen Schmuck immer neu auf die Probe indem er Produktionstechniken aus der Massenproduktion oder »billige« Materialien verwendet, um an der Grenze von Autorenschmuck, Grafik- und Produktdesign und Bildender Kunst zu arbeiten.

Eun Mi Chun (geb. 1971 in Chungbuk, Südkorea, lebt und arbeitet in München) hat von 2004 bis 2011 an der Münchner Akademie studiert und wurde 2008 mit dem renommierten Herbert Hofmann Preis der Schmuck-Ausstellung ausgezeichnet. Sie setzt in ihren Arbeiten auf fernöstliche Feinheit in Verbindung mit einem europäisch geprägten Verständnis von Schmuck. Dabei entstehen vor allem faszinierende Tierfiguren, Broschen oder und Anhänger aus Kuhdarm, menschlichem Haar, Gold und Silber.

Lisa Walker (geb. 1967 in Wellington, lebt und arbeitet in Wellington) lebt nach langjährigem Aufenthalt in München seit einigen Jahren wieder in Neuseeland. Mitte der Neunziger Jahre war Walker Teil einer Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, zusammen mit Karl Fritsch mit den heute als Chicks-on-Speed bekannten Alex Murray- Leslie und Melissa Logan, die durch ihre experimentellen (Gemeinschafts-)Arbeiten an der Münchner Kunstakademie bekannt wurde. Als international renommierteste Teilnehmerin an der Ausstellung berührt Walker die Grenze zwischen Schmuck und Bildender Kunst und überschreitet sie in beide Richtungen, insbesondere durch die Wahl ihrer Materialien. Diese sieht sie als Träger von Informationen, die Walker durch ihre Verwendung offen legt.

Stefan Heuser (geb. 1978 in Koblenz/Rhein, lebt und arbeitet in München) war bis in das Jahr 2010 Schüler bei Otto Künzli, vorher absolvierte er die Hochschule für Gestaltung in Zürich. Heuser war in der Ausstellung zum Danner- Preis 2011 in der Villa Stuck bereits mit seiner Halskette Satellite I vertreten, die er aus Muttermilich hergestellt hat. Mit seinen Objekten positioniert sich Heuser als Konzeptkünstler, gleichwohl auch in seinem Fall die Wahl und Verarbeitung der Materialien von entscheidender Bedeutung ist. Heuser liebt die Kunst von Kippenberg, Koons und auch Mike Kelley, er experimentiert mit 3-D-Druckern, er zeigt in der Ausstellung eine Kette aus Gold und menschlichem Fett. Heuser bezeichnet sich selbst als Goldschmied.