Landeshauptstadt München

 

Museum Villa Stuck

Kabarett Fledermaus 1907-1913
Ein Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte

18. Oktober 2007 bis 27. Januar 2008

      „Fledermaus"
Plakat von Fritz Lang, um 1911
Farblithographie
94,7 x 63,2 cm
ALBERTINA, Wien, Inv.-Nr. DG2003/903
 
 

Am 20. Oktober 1907 wurde in Wien das "Theater und Kabarett Fledermaus" eröffnet. Ausgehend von den künstlerischen Idealen der "Wiener Werkstätte" rückten Josef Hoffmann und Koloman Moser gemeinsam mit dem Unternehmer und Financier Fritz Waerndorfer damit die Welt des Theaters in das Zentrum ihres Interesses. Eine eigene Bühne schien dem aus der Secessionsbewegung hervorgegangenen Bündnis fortschrittlicher und innovativer Gestalter besonders geeignet, dem Anspruch auf Schaffung eines Gesamtkunstwerks entgegenzukommen. "Eine Stätte, die der Kultur der Unterhaltung dient", sollte entstehen. "Alle Sinne sollen hier gleichzeitig zum mindesten Anregungen, wenn möglich auch Befriedigung finden und keine von den Künsten ist ausgeschlossen ...", so das Ästhetische Progamm des "Kabaretts Fledermaus" aus dem Jahr 1907.

Der 100. Geburtstag des "Kabaretts Fledermaus" ist für das Museum Villa Stuck willkommener Anlass, nicht nur Theaterraum und Bühne der "Fledermaus" als "Aushängeschild" der Wiener Werkstätte zu präsentieren, sondern die künstlerischen Aktivitäten dieser kulturhistorisch hoch spannenden Einrichtung in ihrer Gesamtheit darzustellen. Eine Fülle neuer, bisher unbekannter Skizzen, Entwürfe, Fotos, Manuskripte und Dokumente, die in aufwändiger Forschungsarbeit zusammengetragen wurden, wird zum ersten Mal öffentlich ausgestellt.

Die Innenausstattung des "Kabaretts Fledermaus" wurde von Josef Hoffmann geplant, ihre Ausführung übernahm die Wiener Werkstätte. Neben Josef Hoffmann waren zahlreiche namhafte Künstler des Wiener Jugendstils an Einrichtung und Betrieb der legendären Kleinkunstbühne beteiligt, u.a. Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Moriz Jung, Josef von Divéky, Anton Kling, Franz Karl Delavilla und Eduard Josef Wimmer-Wisgrill. Neben der Möblierung wurden auch Plakate, Postkarten, Essbesteck bis hin zu den Anstecknadeln der Platzanweiserinnen von der Wiener Werkstätte entworfen. Zu den Schauspielern der "Fledermaus" zählten Marya Delvard sowie Lina Vetter, zu den Tänzerinnen Grete Wiesenthal und Gertrude Barrison, die Komponisten Konrad Scherber, Leo Ascher und Hannes Ruch sind ebenso vertreten wie die Autoren Peter Altenberg und vor allem die so genannte Polfried AG, Alfred Polgar und Egon Friedell, die einen Großteil der Texte verfassten.

Neben Beispielen der Bühnen- und Kostümgestaltung von Künstlern wie Josef Hoffmann, Berthold Löffler und Carl Otto Czeschka sind Programmhefte, Illustrationen und Druckerzeugnisse von Moriz Jung, Fritz Zeymer und Oskar Kokoschka zu sehen und werden Texte von Egon Friedell, Alfred Polgar und Peter Altenberg präsentiert. Legendäre Diseusen und Chansonnières wie Marya Delvard oder Mimi Marlow werden ebenso gewürdigt wie die Tänzerin Grete Wiesenthal und der früh-expressionistische Sonderweg, den der junge Oskar Kokoschka mit zwei Programmen in der "Fledermaus" einschlug.

Ein eigens für das Museum Villa Stuck eingerichteter Prolog zur Ausstellung zeigt das Münchner Kabarett "Die Elf Scharfrichter" (1901-03), das in engem Zusammenhang mit der Entstehung des "Kabaretts Fledermaus" steht und dessen erster Direktor, Marc Henry, nach dem Scheitern des Projekts in München einen Teil seines Ensembles nach Wien in die "Fledermaus" mitnahm.

Eine Ausstellung des Österreichischen Theatermuseums in Zusammenarbeit mit dem Museum Villa Stuck.


Publikation " Kabarett Fledermaus 1907-1913. Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte. Literatur, Musik, Tanz"
Zur Ausstellung erscheint im Christian Brandstätter Verlag ein von Michael Buhrs, Barbara Lesák und Thomas Trabitsch herausgegebener Katalog mit Textbeiträgen von Barbara Lesák, Peter Jelavich, Heinz Lunzer und Victoria Lunzer-Talos, Gerd Pichler, Herta Neiß, Andrea Amort und Georg Wacks. Der Katalog umfasst ca. 256 Seiten und ca. 290 Abbildungen und ist an der Museumskasse zum Preis von 35,- Euro erhältlich. ISBN 978-3-85498-386-6.