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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

27. Oktober 2021 – März 2022

NEVIN ALADAĞ. DIE PARTITUR DES RAUMES

Eine Hand aus dem Autofenster bringt eine Mundharmonika im Fahrtwind zum Erklingen. Nevin Aladağ hält das Instrument wie eine Kamera, doch sie begibt sich vielmehr auf eine Spurensuche nach den Klängen der Stadt und lässt Objekte scheinbar von selbst Melodien erzeugen.

In ihren sorgfältig komponierten Bildern wird das Schlagzeug vom Regen oder eine Trommel von Wasser und Sand gespielt. Manchmal lässt sie aber auch die Klangkörper eine Verwandlung durchlaufen, wie einen Luftballon, der an einer Trompete angebracht ist, oder eine Schelle an einem Schaukelpferd, das sich rhythmisch hin und her bewegt. Das setzt unweigerlich Assoziationen in Gang, die eine ebenso ironische wie poetische Qualität besitzen. Verschiebungen von Bildern im Kopf ziehen sich durch viele Arbeiten Aladağs: Was verbindet einen Hammer mit einem Pfennigabsatz?

Mit einer Auswahl an Installationen, Skulpturen, Textilien, Videoarbeiten und regelmäßigen Performances präsentiert das Museum Villa Stuck Aladağs bisher umfassendste Einzelausstellung. Die Künstlerin genießt spätestens seit ihrer Beteiligung an der Biennale in Venedig und an der documenta in Kassel und Athen im Jahr 2017 großes internationales Ansehen. Die Ausstellung in München zeigt zum ersten Mal neuere und ältere Arbeiten zusammen mit dem eigens für das Projekt entstandenen Resonanzraum. Aladağ inszeniert einen Parcours durch die verschiedenen Räume der Villa und lässt dadurch Verbindungen entstehen, die eine scharfsinnige und stets humorvolle „Partitur“ bilden. So fügen sich die Möbel-Instrumente ihres „Musikzimmers“ leise in Stucks Historische Räume ein. Ganz nach dem Prinzip vieler ihrer Arbeiten legen Rhythmus und Abfolge von akustischen und visuellen Elementen Wahlverwandtschaften offen, um aus der vermeintlichen Kakofonie eine immer wieder überraschende Struktur hervorzubringen, die mit der Tanzperformance „Raise the Roof“ zu einem apotheotischen Finale führt.

Nevin Aladağ studierte bis 2000 Bildhauerei bei Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ihre Arbeiten sind in vielen renommierten internationalen Sammlungen vertreten und werden regelmäßig in Ausstellungen und Biennalen weltweit gezeigt. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin lebt heute in Berlin. Seit 2020 ist sie Professorin für interdisziplinäres künstlerisches Arbeiten an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.

Eine Ausstellung des Museums Villa Stuck
Kuratorin: Helena Pereña