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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

Ab 23. März 2021

COLLECTING HISTORIES

Neueste Erwerbungen, Schenkungen und Dauerleihgaben für die Sammlungen des Museums Villa Stuck

2020 war ein glückliches Jahr für die Sammlungen des Museums Villa Stuck, die in den letzten Monaten durch Neuerwerbungen, Schenkungen und eine Dauerleihgabe vielfältig erweitert werden konnten. Wichtige Werke der Porträtmalerei, Pastelle, Plakate, Aquarelle und ein Möbel sowie die ersten 13 Jahrgänge der politisch-satirischen Wochenzeitschrift Simplicissimus bereichern nun die größte öffentliche Sammlung der Werke Franz von Stucks im Künstlerhaus Villa Stuck.

Franz Stuck: Satyr mit Nymphen und Kind, um 1889
Aquarell, Tusche, Gouache, Bleistift und schwarze Kreide auf Karton
Museum Villa Stuck
Franz von Stuck: Alexander Saitzoff
Öl auf Holz
Museum Villa Stuck (Schenkung Mrs. Larissa Salmina Haskell)
Franz von Stuck, Die Sünde, nach 1905
Pastell auf Karton im Originalrahmen nach Entwurf von Franz v. Stuck
© Museum Villa Stuck (Dauerleihgabe aus Privatbestitz)
Franz Stuck: Plakat der Münchener Jahresausstellung von Kunstwerken Aller Nationen im Königlichen Glaspalast
1889, Lithographie. Rechts unten signiert FRANZ STUCK
Museum Villa Stuck (Schenkung des Vereins zur Förderung der Stiftung Villa Stuck e.V.)
Franz von Stuck, Prinzregent Luitpold, 1897, Öl auf Leinwand, Museum Villa Stuck
("Im Gedenken an meine Urgroßmutter Helene Hammerbacher,
Schenkung von Uta-Elisabeth Trott und ihrem Mann Klaus-Rüdiger Trott im März 2021")
SIMPLICISSIMUS. Eine satirische Zeitschrift. München 1896-1944
IV. Jhg. 1899-1900, Thomas Theodor Heine: Bulldogge
Museum Villa Stuck (Schenkung des Vereins zur Förderung der Stiftung Villa Stuck e.V.)

Der Titel Collecting Histories ist eine Hommage an Francis Haskell (London 1928-2000 Oxford), der zu den bedeutendsten und originellsten Kunsthistorikern des 20. Jahrhunderts gehört. Aus seinem Besitz stammen die Kinderporträts seiner in Kiew geborenen Mutter Vera Saitzoff und ihres Bruders Alexander, die Franz von Stuck 1913 malte. Über ihre sehr wohlhabende Fabrikanten-familie, die ein Stadtpalais in Kiew bewohnte und zu Beginn der Revolution 1917/18 in den Westen floh, erzählt Alexander Solschenizyn in seinem kontroversem Bericht über die Juden in Russland „Zweihundert Jahre zusammen“ (2001).

Haskell feiert in seiner Publikation „Die Geschichte und ihre Bilder“ jedes Kunstwerk als Bildzeugnis europäischer Kultur- und Geistesgeschichte sowie als Moment zeitgenössischen Erlebens. Das Künstlerhaus Villa Stuck ist ein kongenialer, authentischer Ort beider Perspektiven.

Die Schenkung seiner Ehefrau Larissa Haskell gelangt dank der Initiative von Sir Nicholas Penny, von 2008 bis 2015 Direktor der National Gallery in London 2008, in die Villa Stuck. Seit einem gemeinsamen Besuch von Haskell und Penny in München waren beide erklärte Fans des neoklassizistischen Künstlerhauses Franz von Stucks. Bereits 1981 hatte Penny zusammen mit Haskell „Taste and the Antique. The Lure of Classical Sculpture 1500-1900“ veröffentlicht.

Prinzregent Luitpold gehört zu den meist porträtierten Persönlichkeiten Franz von Stucks. Eine weitere Schenkung zeigt den 76-jährigen nicht in Uniform oder historischer Tracht mit Wittels-bacher Hubertusorden, sondern zivil in einem selten veristischen Altersporträt. Das Gemälde stammt aus der Familie von Johann Wilhelm Spaeth, einem der wichtigsten Industriepioniere Nürnbergs im 19. Jahrhundert, und belegt die eng mit der Firmen- und Familiengeschichte verknüpfte Beziehung zum Königshaus und Mitgliedern des Hauses Wittelsbach.

Zwei außergewöhnliche Aquarelle stammen aus dem Frühwerk Stucks um 1889 am Übergang vom Zeichner zum Maler: selbstironisch posiert der junge Stuck u. a. als stolzer Satyr mit Nymphen und Kind im antiken Zypressenhain.

Als besondere Entdeckung kann das bislang einzige bekannte Plakat Stucks für die Münchner Jahresausstellung im Glaspalast 1889 gewertet werden, bei der Franz von Stuck mit dem „Wächter des Paradieses“ seinen Durchbruch als Maler erfährt. Gemälde, Plakat und ein großformatiger Entwurf („Huldigung an die Malerei“) können nun erstmals zusammengeführt werden.

Das Künstlerhaus kann an markanter Stelle zudem das „Coming Home“ eines Möbels feiern: an den Eingang des Künstlerateliers kehrt nach knapp 100 Jahren ein Kabinett mit Darstellungen der zehn Lebensstufen im Stil der Spätrenaissance zurück.

Als bedeutende Dauerleihgabe bereichert eine bislang unbekannte Version einer „Sünde“ in Pastell (nach 1905) die Sammlungen des Museums Villa Stuck – eine Provenienzrecherche macht es möglich, das markante Bild aus Privatbesitz nun in der Villa Stuck zu präsentieren.

Der besondere Dank des Museums Villa Stuck gilt den Mitgliedern des Vereins zur Förderung der Stiftung Villa Stuck e.V., deren Schenkungen - in Zeiten der Distanz - ein Zeichen besonderer Verbundenheit bekunden und die Sammlungen langfristig bereichern.

Kuratorin: Margot Th. Brandlhuber
#collectinghistoriesmvs