Start > Ausstellungen > Bis ans Ende der Welt und über den Rand – mit Adolf Wölfli

Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

Bis ans Ende der Welt und über den Rand – mit Adolf Wölfli

Biografie Adolf Wölfli

1864
Wölfli wird am 29. Februar als jüngstes von sieben Kindern in Bowil, Emmental (Kanton Bern), geboren. Der Vater ist Steinhauer.

Um 1870
Der Vater verlässt die Familie. Die Mutter verdient den Lebensunterhalt als Wäscherin.

1872
Wölfli und seine kranke Mutter verarmen und werden durch die Behörden von Bern in die Heimatgemeinde Schangnau zwangsumgesiedelt. Dort werden sie getrennt bei Bauern als Arbeitskräfte untergebracht.

1873
Tod der Mutter.

1879
Wölfli wächst unter entwürdigenden Arbeits- und Lebensbedingungen als Waise und „Verdingbub“ auf. In der Schweiz war damit die Unterbringung von Kindern bei fremden Familien gemeint, wo sie faktisch keinerlei Rechte besaßen und entsprechend oft misshandelt und missbraucht wurden. Meist wurden diese Kinder auf Bauernhöfen eingesetzt, wo sie als günstige Arbeitskräfte ausgenutzt wurden.

1880–1890
Wölfli arbeitet als Knecht, Handlanger, Lohn- und Wanderarbeiter an verschiedenen Orten in den Kantonen Bern und Neuenburg. Eine erste Liebesbeziehung scheitert aus sozialen Gründen. Er durchlebt weitere Liebesverhältnisse, die alle an seiner Armut scheitern.

1890
Wegen Kindesmissbrauchs wird Wölfli verhaftet und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.

1892–1895
Zunehmende soziale Isolierung und Vereinsamung.

1895
Wegen erneuten Kindesmissbrauchs wird Wölfli verhaftet. Zur Untersuchung seiner Zurechnungsfähigkeit wird er in die psychiatrische Heilanstalt Waldau bei Bern eingeliefert. Die Diagnose lautet auf „Dementia paranoides“ (Schizophrenie). Wölfli wird in der Waldau interniert. Auf Veranlassung der Ärzte verfasst er 1895 seine erste Lebensgeschichte. Wölfli lebt bis zu seinem Tod 1930 in der Waldau.

1899
Wölfli beginnt in der Waldau mit dem Zeichnen. Aus dieser Zeit sind keine Arbeiten erhalten.

1904–1906
Erste erhaltene Zeichnungen (rund 50 großformatige Einblattzeichnungen), die alle mit Bleistift in Schwarz/Weiß gearbeitet sind.

1907
Der Arzt und Psychiater Walter Morgenthaler kommt an die Waldau, wo er mit Unterbrechungen bis Ende 1919 arbeitet. Erste farbige Zeichnungen von Wölfli.

1908–1912
Wölfli verfasst seine fiktive Autobiografie „Von der Wiege bis zum Graab“ (rund 3.000 Seiten), mehr als 700 Farbstiftzeichnungen illustrieren den Text. Mittels einer Reiseerzählung verwandelt Wölfli seine problematische Kindheit in eine glorreiche Geschichte mit wundersamen Abenteuern, Entdeckungen und überwundenen Gefahren.

1912–1916
Niederschrift der „Geographischen und allgebräischen Hefte“ (rund 3000 Seiten), Musikbilder und Zahlenbilder begleiten den Text. Wölfli schildert darin die Entstehung der zukünftigen „Skt. Adolf-Riesen-Schöpfung“. Die Erzählung gipfelt in Wölflis Selbsternennung zu Skt. Adolf II. Ab 1916 signiert Wölfli mit Skt. Adolf II.

1916
Beginn der Produktion der Einblattzeichnungen, der sogenannten „Brotkunst“, die Wölfli an Ärzte, Angestellte, Besucher und erste Sammler verschenkt oder verkauft.

1917–1922
Niederschrift der „Hefte mit Liedern und Tänzen“ (rund 7000 Seiten). In dieser ausufernden Erzählung besingt und zelebriert er im Stil von Märschen, Polkas und Mazurkas seine „Skt Adolf-Riesen-Schöpfung“. Die musikalischen Kompositionen werden durch ausgeschnittene Abbildungen aus Zeitschriften ergänzt. Erste Auftragsarbeiten für die Waldau.

1921
Walter Morgenthaler veröffentlicht „Ein Geisteskranker als Künstler“, seine berühmte Monografie über Wölflis Leben und Werk. Die Studie wird u.a. von Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salomé begeistert gelesen. Im Zusammenhang mit dieser Publikation sind Zeichnungen Wölflis in Buchhandlungen in Bern, Basel und Zürich erstmals öffentlich ausgestellt.

1924–1928
Niederschrift der „Allbumm-Hefte mit Tänzen und Märschen“ (rund 5000 Seiten), in denen Wölfli seine kommende Welt zelebriert. Die Erzählung selbst ist ersetzt durch eine Abfolge von Schlüsselwörtern, die bis zu tausendmal wiederholt werden, bevor sie durch andere abgelöst werden.

1928–1930
Niederschrift des „Trauer-Marsches“ (rund 8000 Seiten), ein nahezu abstraktes Requiem mit dicht beschriebenen Texten und Collagen. Die Erzählung ist ersetzt durch Laute und Rhythmen. Sie erhält die Form eines lautmalerischen Gedichts. Der Trauer-Marsch endet unvollendet.

1930
Am 6. November stirbt Adolf Wölfli an Magenkrebs in der Waldau.