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Neu in den Sammlungen

Franz von Stucks Ölskizze
»Sonnenuntergang am Meer«, 1910

In glühendes, leuchtendes Abendrot getaucht erscheint der jüngste Neuzugang in den Sammlungen des Museums Villa Stuck. Es handelt sich um eine beindruckende Ölskizze, die zugleich Vorstudie zum großen Gemälde „Sonnenuntergang am Meer“ aus dem Jahr 1910 ist: ein staunendes Paar, das sich beobachtend dem spektakulären Schauspiel der im Meer versinkenden Sonne inmitten schwarzer Gewitterwolkenberge zuwendet.

Die grandiose Farbstimmung und moderne Landschaftsauffassung der Skizze, die Emil Noldes Darstellungen seiner Meeresbilder um 1930 vorwegnimmt, ergeben neue, unerwartete Aspekte im Werk Franz von Stucks und sind eine große Bereicherung für die Sammlungspräsentation des Museums.

Die Studie stammt aus dem Nachlass Franz von Stucks. Sie war einst ein Geschenk der Tochter des Künstlers Mary von Stuck an den Kollegen und Freund ihres Vaters, den heute vergessenen Landschaftsmaler Anton Müller-Wischin (1865-1949), der am Chiemsee arbeitete. Auf der Rückseite trägt die Skizze daher die Widmung „In treuer Verehrung / immer / Mary Heilmann-Stuck“.

Von den sehr wenigen, in privater Hand erhaltenen Ölskizzen, ist dies nun die erste Ölskizze Stucks in öffentlichen Besitz – und damit dem Publikum zugänglich.

Sie eröffnet seltene Einblicke in den Werkprozess, der in der Regel nur durch klein(st)formatige Kompositionsstudien in Bleistift, Tusche oder Aquarell auf Papier überliefert ist, in denen Stuck, das für ihn so wichtige Verhältnis von Figurenkomposition zu Rahmen und Rahmendesign gestaltet.

Die Faszination für Ölskizzen - die auch „Shortcuts“ der Malerei genannt werden - der Triumph der Skizze, des Flüchtigen, des Fragments über das fertige Bild, erfuhr in den letzten Jahren ein Revival, das von in der Romantik seinen Ausgang nahm. Ein Landschaftsdetail, unterwegs, auf Reisen erfasst, wurde später im Atelier in eine Großkomposition integriert.

Insbesondere Wolkenbilder sind ein Phänomen des 19. Jahrhunderts. Galt der Himmel früher als Ort Gottes, so waren es nun die Wolken selbst, die faszinierten und nicht das dahinter Liegende. Maler entdeckten in den Wolken, die Schönheit der flüchtigen Sensationen, die in ihnen verewigt sind: war nicht gerade der Himmel noch blau?
Und auch der Sehnsuchtsraum Meer, aufwühlend und aufgewühlt, bot in der Komposition von Stimmung und Farbe die Chance einer Darstellung vollkommen befreit vom Gegenstand. Große Koloristen, Magier der Farben feierten mit der explosiven Leuchtkraft der Farben die Naturgewalten.


Mittwoch, 28.8.19, 17.00 Uhr
Einblicke: Gesamtkunstwerk Villa Stuck. Historische Räume und Sammlungen
Margot Th. Brandlhuber, Leiterin der Sammlungen
kostenlose Führung, zzgl. ermäßigtem Eintritt


Sonntag, 8.9.19, 11.00 Uhr
Tag des offenen Denkmals. Modern(e): Umbrüche in Kunst und Kultur
Kuratorenführung „Die Villa Stuck – eine moderne Sensation“

Margot Th. Brandlhuber, Leiterin der Sammlungen
kostenlose Führung, zzgl. ermäßigtem Eintritt