Start > Ausstellungen > Die Jugend der Moderne. Art Nouveau und Jugendstil – Meisterwerke aus Münchner Privatbesitz

Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

Zur Ausstellung: Die Jugend der Moderne


Erdgeschoß – Frankreich und Belgien

Den Auftakt der Ausstellung bildet das breite Spektrum von Stilarten und technischer Raffinesse, das in Frankreich und Belgien unter dem Oberbegriff des Art Nouveau zusammengefasst wird.

Die französische Kunstkeramik entwickelte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer prunkvollen Kunstform. In den Arbeiten von Bigot, Dalpayrat, Gallé und Lachenal ist der Einfluss fernöstlicher Motivik und Glasurtechnik unübersehbar; sie markieren die Rezeption des Japonismus und der kreativen Interpretation der Natur in Frankreich und kehren in den Kunstgläsern von Gallé und Rousseau wieder. Die für europäische Augen ungewöhnlichen Flächenaufteilungen und Perspektiven prägen auch den japanischen Farbholzschnitt, der sich in innovativen Graphiken von Jossot, Ranson, Rivière und Grasset widerspiegelt. Daneben kennzeichnet Preziosität die französischen dekorativen Künste um 1900, insbesondere die hauchdünnen „Pâte-de-verre“-Gefäße von Dammouse und Decorchement. Ihnen stehen die Keramiken Massiers mit brillanten Lüsterglasuren und skulpturale Entwürfe von Mougin frères diametral gegenüber. Von Colonna, Gaillard, Gallé und Majorelle stammen die grazilen Art-Nouveau-Möbel, deren Naturformen in subtilem Wechselspiel mit der Architektur der Möbelkonstruktion bewusst an französische Formeln des 18. Jahrhunderts erinnern.

Einen weiteren Höhepunkt bilden selten oder nie gesehene symbolistische Gemälde von suggestiver Kraft und melancholisch-verträumte Damenporträts von Aman-Jean, Levy-Dhurmer, Martin, Point und Stevens. Plastiken von Carabin, Larche und Léonard feiern den modernen Ausdruckstanz als Sensation und sind Merkmal der epochenspezifischen Sehnsucht nach einer Vereinigung aller Künste zum Gesamtkunstwerk. Im Bereich der Graphik entfachte der außergewöhnliche Erfolg von Veranstaltungs­plakaten der Pariser Bohème durch innovative Künstler eine wahre „Affichomanie“; das künstlerische Plakat wurde als Werbemittel durch Entwürfe von Toulouse-Lautrec, Bonnard, de Feure und Steinlen besonders populär.


Empore – Skandinavien, Niederlande, Amerika

Zu den markantesten Exponaten aus Skandinavien gehören die Keramiken der dänischen Manufaktur Herman August Kähler, insbesondere die von Hansen-Reistrup modellierten Gefäße in Tierform; seine Entwürfe sind von Wildheit und Monumentalität geprägt. Die Königliche Porzellanmanufaktur Kopenhagen war die erste, die sich die Geheimnisse der Kristallglasur zu Nutze machte - nachgeahmt in ganz Europa. Zu den heute noch berühmtesten Kunsterzeugnissen des niederländischen Jugendstils gehören die virtuosen Eierschalenporzellane der Haagschen Porzellanmanufaktur Rozenburg. Eine Ästhetik der Fragilität prägt diese Objekte, deren Dekore in prächtigen Farben mit großer Finesse ausgeführt sind. Amerika ist mitPlakaten der „American Poster Renaissance“ vertreten, in der das künstlerische Plakat durch führende Erneuerer wie Bradley und Reed in den 1890er Jahren vom gehobenen Werbemittel zum Gegenstand desSammlerkults wurde.


Kuppelsaal – Deutschland und Österreich/Ungarn

Im Zentrum der letzten Sequenz stehen Werke des Münchner Jugendstils. Er entwickelte neue Wege in die Moderne, welche zu Abstraktion, zum Surrealismus, Konstruktivismus und zur Neuen Sachlichkeit führten. Das alleinige Motiv war die Natur, ihre Wirk- und Wachstumsprinzipien und die Bewegungslinien des Lebens. Grundlage dafür war das Studium der Pflanzenwelt, wie es besonders im Umkreis von Obrist in den „Lehr- und Versuchateliers für angewandte und freie Kunst“ (kurz „Debschitz-Schule“)gelehrt wurde. Um den künstlerischen Entwurf ohne Abstriche in hoher Qualität zu verwirklichen und den Künstler am Umsatz zu beteiligen, organisierten sich die Münchner Entwerfer 1897 in den Vereinigten Werkstätten.

Bedeutende Werkgruppen folgender Künstler werden – oft im Zusammenspiel von freier und angewandter Kunst – präsentiert: Adler, Behrens, Berlepsch-Valendas, Burger-Hartmann, Keramische Werkstätten München-Herrsching, Eckmann, Habich, Heider, Laeuger, Obrist, Paul, Reichenbach, Riemerschmid, Vierthaler, darüber hinaus früheste Bronzen von Hoetger und Werke der Porzellanmanufaktur Meissen nach Entwürfen von van de Velde und anderen. Zahlreiche unbekannte Werke befinden sich unter den Gemälden und Grafiken von Erler, Fidus, Habermann, Heine, Hofmann, Pellar, Strathmann und Zumbusch. Viele von ihnen waren als Illustratoren der Zeitschrift „Jugend“ tätig, die der künstlerischen Reformbewegung ihren Namen gab. Werbeplakate von Bernhard, Erdt und Scheurich bahnen den Weg in die Neue Sachlichkeit.

Den Abschluss der Ausstellung bilden Objekte aus irisierendem „Phänomenglas“ mit Oberflächenmustern in weichen Pastellfarben, mit dem die böhmische Glasfabrik Lötz Wwe. große Erfolge feierte, sowie Gefäße mit Eosinglasur der Keramikmanufaktur Zsolnay aus Pécs in Ungarn, die den irisierenden Glanz orientalischer Keramik imitieren konnte.