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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

18. Oktober 2012 bis 3. Februar 2013

Die Sammlung Gunter Sachs
Von Max Ernst bis Andy Warhol

Das Museum Villa Stuck präsentiert, in Zusammenarbeit mit der Familie von Gunter Sachs und dem Institut für Kulturaustausch in Tübingen, die wichtigsten Werke aus der immensen Sammlung von Gunter Sachs. Sie dokumentiert die ungezähmte Sammelleidenschaft, die spätestens 1960 in Gunter Sachs entflammte, dem Jahr, in dem Yves Klein mit Arman, Jean Tinguely, Raymond Hains und anderen Künstlern in Paris die Gruppe des »Nouveau Réalisme« begründete und Sachs Jean Fautrier, einen der wichtigsten Vertreter des »Informel«, kennenlernte.

Gunter Sachs verstarb im Mai 2011 völlig unerwartet. Als Fotograf, Unternehmer und Kunstsammler verfolgte er, wie nur Wenige, die Wandlungen der Kunst in den letzten fünfzig Jahren, erlebte sie aus unmittelbarer Nähe und hat sie entscheidend mitgeprägt. Er war Kunstförderer und Galerist, machte sich als Dokumentarfilmer und Fotograf einen Namen und er sammelte moderne Kunst zu einer Zeit, als sich nur Wenige in Deutschland dafür interessierten. Die von ihm hinterlassene Kunstsammlung stellt heute ein herausragendes kunsthistorisches Vermächtnis dar.


Die Sammlung Gunter Sachs, Museum Villa Stuck, München, 2012, Foto: Katrin Schilling

In der Ausstellung zu sehen sind Arbeiten aus Frankreich, beginnend mit Yves Tanguy und den Künstlern des »Nouveau Réalisme«, allen voran Yves Klein und Arman, bis hin zu René Magritte. Die Kunst des »Informel« wird anhand von Werken von Jean Fautrier, Georges Mathieu und Wols vorgeführt. Daneben sind spannende Einzelpositionen vertreten, wie zum Beispiel Lucio Fontana oder Joseph Kosuth. Eine Sektion der Ausstellung ist der Pop Art von Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein und Andy Warhol gewidmet; fünf Arbeiten, etwa von Banksy, stammen aus dem Bereich Graffiti, den Sachs seit den 1980er Jahren sammelte. In einer eigenen Abteilung sind frühe Fotografien von Andy Warhol sowie Fotografien von Andreas Feininger, Will McBride bis hin zu Thomas Ruff und Izima Kaoru.

Mit der Ausstellung schließt sich in besonderer Weise auch ein Kreis in der Verbindung zwischen Gunter Sachs und der Villa Stuck: Vom 8. September bis 20. Oktober 1967 zeigte nämlich das Modern Art Museum München e.V. ('MAM') die erste Ausstellung mit Werken der Sammlung Sachs in den Räumen der Villa Stuck. Arbeiten von Arman, Jean Fautrier, Yves Klein und Wols bildeten den Kern der Präsentation, ergänzt durch Werke von Francis Bacon, Giorgio de Chirico, Victor Brauner, Fontana, Roy Lichtenstein und Yves Tanguy. Das 'MAM' wollte der jungen, internationalen Kunstszene in Deutschland eine Plattform errichten – weg vom zaudernden, bewahrenden Kunstbetrieb, hin zu Umbruch und Wagnis.

Von 1967 bis 1972 fungierte Gunter Sachs zusammen mit Konstantin von Bayern als Präsident des 'MAM'. Weitere Hauptpersonen waren Wolfgang Christlieb, Jurist und Autor, sowie der Rechtsanwalt Claus Bastian. Dazu gesellte sich Christian Diener, Ausstellungsgestalter und früherer twen-Grafiker, der später über die Präsentation der Sammlung Gunter Sachs in der Villa Stuck sagte: »Sie sollte damals mehr sein als nur die Präsentation einiger irritierender zeitgenössischer Bilder, die es vorher noch kaum in Deutschland zu sehen gegeben hat; Gunter Sachs wollte die Ausstellung selbst in eine Art Kunstwerk verwandeln.« Das Museum wurde rasch zu einem stark frequentierten Treffpunkt für Künstler und Kunstinteressierte aus der ganzen Welt und zu einem Brückenkopf der Moderne in den 60er Jahren. Nur eines blieb den Enthusiasten des 'MAM' verwehrt: die Errichtung eines eigenen Ausstellungshauses für zeitgenössische Kunst scheiterte am Ende kurz vor den Olympischen Spielen 1972.