Start > Ausstellungen > Herkules und die Hydra

Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

11. Juni 2014 – 4. Januar 2015

Herkules und die Hydra

Studioausstellung im Rahmen von »1914 – 2014: Die Neuvermessung Europas«

Das von Wilhelm II. zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 gewählte Motto »Feinde ringsum«, wurde von Franz von Stuck in seinem Gemälde »Herkules und die Hydra« (1915) im Stil der antiken Mythologie aufgegriffen.

Das Thema »Feinde ringsum« nimmt in Stucks Schaffen eine besondere Rolle ein. Es stellt eine Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg dar, an dem Stuck selbst nicht aktiv beteiligt war, und birgt somit unmittelbar politischen Zeitbezug. Die Formulierung stammt aus dem Alten Testament und wird im Zusammenhang mit Kriegsgefahren mehrfach verwendet: »Er rief den Höchsten und Mächtigen an, als ihn seine Feinde ringsum bedrängten; und der Höchste erhörte ihn und ließ Hagel wie Steine auf die Feinde fallen.« (Buch Josua 10,11 und 2. Buch Samuel 8,1)

Das 2013 erworbene Werk stellt eine kongeniale Ergänzung der Sammlung des Museums Villa Stuck dar, in der sich bereits drei Versionen der Plastik »Feinde ringsum« (1916) sowie die großformatige Zeichnung gleichen Titels befinden.

Herkules und die Hydra, Museum Villa Stuck, München, 2014, Foto: Katrin Schilling

Das Gemälde gehört zu den wenigen antik mythologischen Darstellungen, die sich mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzen. Es zeigt Deutschland als kämpfenden Herkules umgeben vom feindlichen Szenario europäischer Mächte, symbolisiert durch die vielköpfige Hydra. Stuck folgt darin in gewisser Weise seinem Vorbild Arnold Böcklin, der sich in Bildern wie der »Kentaurenschlacht« in Folge des deutsch-französischen Krieges 1870/71 ebenfalls mit den Themen Krieg, Kampf und Tod auseinandergesetzt hatte.

Konkreter Anlass für die Entstehung von »Herkules und die Hydra« war vermutlich der Kriegseintritt Italiens am 23.5.1915. Die unerwartete Kriegserklärung Italiens gegen seine bisherigen Bündnispartner im Dreibund Österreich-Ungarn und Deutschland galt als »ein Treuebruch, dessen gleichen die Geschichte nicht kennt«.

Für die deutsche Künstlerschaft, die in ihrer Antikenbegeisterung stark von Italien, dem Ursprungsland europäischer Kunst und Kultur, geprägt war, war eine kriegerische Auseinandersetzung mit dem Land ihrer Sehnsucht trotz der anfangs allgemeinen Kriegsbegeisterung unvorstellbar. Einige Jahre zuvor erst hatte Franz von Stuck zusammen mit Otto Julius Bierbaum und Felix Mottel nach dem Erdbeben von Messina 1908 - der größten Naturkatastrophe des 20. Jahrhunderts mit 110.000 Opfern - die deutsche Künstlerschaft zu einer Hilfsaktion aufgerufen. Unter dem Titel »Pro Italia. Eine Deutsche Kunstspende« erschien 1909 eine aufwendige Publikation, zu der zahlreiche Künstler des Landes Werke beigesteuert hatten.

In der Plastik »Feinde ringsum« löst Stuck die Hauptfigur des jugendlichen Helden aus der mehrfigurigen Szenerie des Gemäldes. Das Motiv des schwertschwingenden Kämpfers ist charakteristisch für diese Jahre und gehört zum zeittypischen Motivschatz. Barlach verwendet es schon 1910 mit Ahnungen und Ängsten ringend in seiner Plastik »Der Berserker«. Stuck findet in »Feinde ringsum« dafür eine der eindringlichsten Formulierungen.

Die Werkgruppe bildet ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument, das für München erhalten werden konnte und anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsbeginns von aktuellem Interesse ist.

Studioausstellung im Rahmen des Programms »1914 – 2014: Die Neuvermessung Europas«, veranstaltet durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München
Kuratorin: Margot Th. Brandlhuber