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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

19. Juli 2014 – 4. Januar 2015

Der Prozess – wie Moderne entsteht

Erweiterte Sammlungspräsentation im Museum Villa Stuck

Anlässlich des Sommerfestes am 18. Juli 2014 öffnet das Museum Villa Stuck seine Depots und wartet mit ausgewählten Schätzen aus seiner Sammlung auf. Der Rundgang durch die Historischen Räume und das Alte Atelier wird durch die Präsentation von Werken in den Räumen des 1. OG, den ehemaligen Schlafzimmern von Franz und Mary Stuck, fortgesetzt und erweitert. Gezeigt werden Gemälde, Plakate, Zeichnungen, Radierungen und Fotografien sowie Skulpturen von Franz von Stuck aus allen Schaffensphasen, die einen vielfältigen Blick auf Stucks künstlerische Produktion als Maler, Bildhauer und Grafiker bieten. Die ausgestellten Werke führen Stucks Vielseitigkeit vor Augen und untermauern eindrucksvoll seinen Einfluss auf die Kunstszene seiner Zeit.

Erweiterte Sammlungspräsentation im Museum Villa Stuck, München, 2014, Foto: Nikolaus Steglich

Als einer der Protagonisten der Kunstszene um 1900 und als Vorreiter einer Avantgarde an der Schwelle vom 19. Jahrhundert in die europäische Moderne gehört Stuck (1863-1928) zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten Deutschlands. Die kontinuierliche Erweiterung der Sammlungen des Museums Villa Stuck durch Schenkungen, Neuerwerbungen und Dauerleihgaben in den letzten Jahren macht es möglich, in dieser Ausstellung Neues zu entdecken und Herzstücke der Sammlung neu zu bewerten.

Die Entwicklung Stucks von einem der erfolgreichsten Zeichner, Illustratoren und Karikaturisten seiner Epoche, der ein ganzes Repertoire unterschiedlicher Zeichenstile beherrschte, zum europäischen Symbolisten und Plakatdesigner, der sich neuester Techniken wie der Fotografie bediente, prägt sein ganzes Schaffen. Wie innovative Moderne gelingen kann, ist im Entstehungsprozess einzelner Werke spannungsvoll zu erleben. Zu ihnen gehören beispielhaft die vier Entwürfe für das legendäre Hygiene-Plakat aus dem Jahr 1911, die in der Ausstellung erstmals gezeigt werden.

Jüngster Sammlungszugang und ebenfalls Teil der Ausstellung ist die frühe Collage von Kurt Schwitters Wie Mädchen fallen (1924/26) mit einem Porträt von Franz von Stuck, die „unentdeckt“ in einer Privatsammlung hing und 2014 als Schenkung von Christian Strenger an das Museum Villa Stuck überging. Schwitters setzt das Porträt, das bislang nicht als Franz von Stuck erkannt war, in einen provokanten, aber für ihn typischen Zusammenhang. Sein erstes „Merzbild“ entwickelte Schwitters 1919 aus Papierstücken, die er in Collagetechnik zu einer neuen Formensprache kombinierte. Damit legte er den Grundstein zu der von ihm entworfenen Utopie des „Merz-Gesamtweltbildes“: „Ich nenne diese Weltanschauung, aus der diese Art Kunstgattung wurde, „Merz.“ (Werner Schmalenbach, Kurt Schwitters, 1984, S.96). Auch Olaf Gulbranssons spätes Stuck-Porträt von 1925 aus der „Galerie berühmter Zeitgenossen“ spiegelt die Rolle Stucks im Kunstgeschehen seiner Zeit wider.

Kuratorin: Margot Th. Brandlhuber