Start > Ausstellungen > Carlos Garaicoa. Unvollendete Ordnung (Orden Inconcluso)

Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

Carlos Garaicoa. Unvollendete Ordnung (Orden Inconcluso)

Zur Ausstellung

Die Ausstellung, die Fotografie, Installationen und Objekte enthält, kann als eine Analyse der politischen und sozialen Realitäten in Spanien und Kuba gelesen werden. In den ausgewählten Arbeiten beschäftigt sich Carlos Garaicoa mit Themen wie Wirtschaft, Architektur, Macht, Kontrolle und Utopie.

Den Auftakt der Ausstellung bilden acht großformatige Diptychen mit dem Titel Cerámicas porno-indignadas (2012-14). In dieser Serie bezieht sich der Künstler auf geflieste Werbetafeln aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert an Apotheken, Lebensmittelgeschäften oder Heimwerkermärkten in Madrid. Durch die Überarbeitung der Bilder und Texte und deren Aktualisierung auf das heutige Geschehen und gleichzeitige Ironisierung schafft Garaicoa ein Abbild des urbanen Lebensgefühls in Zeiten der allgegenwärtigen Krise in Südeuropa.

Auf dem gleichen Stockwerk ist die Arbeit Las Joyas de la Corona (2009) zu sehen, die Kronjuwelen. Auf acht Stelen zeigt Garaicoa Miniaturmodelle in Silber von Gebäuden staatlicher Unterdrückung, Überwachung und Kontrolle, darunter die Hauptquartiere der Stasi und des KGB, das Pentagon und die Guantanamo Bay Naval Base, das Gefangenenlager der US-Armee in der gleichnamigen Bucht in Kuba. Über die Arbeit sagt der Künstler selbst: „Las Joyas de la Corona habe ich mit Bezug auf zwei Zielgruppen konzipiert: jene Menschen, die unter widersprüchlichen politischen Systemen leiden, dort also wo die Menschenrechte offensichtlich unterdrückt werden, und jene, die in einem System leben, das diese Widersprüche augenscheinlich überwunden hat, wie im Fall von Europa. Es bleibt jedoch die Frage, ob es die sogenannten "zivilisierten" Gesellschaften wirklich geschafft haben, Zwang, Folter und Elend durch staatlichen Einfluss auf den Menschen zu überwinden. Viele meiner Arbeiten stellen genau diese Frage. Ohne zu belehren oder zu moralisieren, bemühe ich mich, die Dringlichkeit aufzuzeigen für eine Humanisierung unserer Gesellschaften. Aus dieser Sicht heraus sind Las Joyas de la Corona ein effektives Mittel in drei Richtungen: die einen zu schimpfen, anderen eine Lektion zu erteilen und wieder andere in die Defensive zu drängen. Die Arbeit ist nicht als Akt eines moralischen Zwangs gemeint, sondern lediglich als Beweis für unsere Un-Zivilisation.“

Im Obergeschoss des Ateliergebäudes sind mehrere Werke von Carlos Garaicoa zu sehen, die sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Raum, zwischen Gesellschaft und Architektur beschäftigen. Es el cuerpo humano igual al cuerpo social? (Ist der menschliche Körper gleich dem sozialen Körper?), 2002, zeigt Architektur als modernes Werkzeug, ebendiesen sozialen Körper zu disziplinieren. In ähnlicher Weise argumentieren weitere Arbeiten wie Edificio Público como Ágora Griega (Öffentliches Gebäude als griechische Agora), 2002, und Campus o la Babel del Conocimiento (Campus oder das Babel des Wissens), 2002-4.

Im letzten Raum zeigen zwei Repliken aus massivem Gold in Miniaturformat die Deutsche Bundesbank, Saving The Safe (Bundesbank), 2013, und die Nationalbank von Spanien, Saving The Safe (Banco de España), 2014. Beide Modelle sind in Safes untergebracht und unter ständiger Aufsicht und Kontrolle. Unweit der Miniatur-Bankgebäude und aus dem gleichen kostbaren Material ist die Arbeit Portafolio, 2013, zu sehen, acht Goldplatten, die an der Wand hängen, und sich in Symbolen und Zeichen wie auch Ausrufen auf Ereignisse beziehen, in denen Bürger ihrer Angst und ihrem Widerstand gegen staatliche Kontrolle und Zwang Ausdruck verleihen.

Darüber hinaus zeigt die Aussstellung die Arbeiten Retrato (Europa), 2006, Noticias Recientes (España II), 2007, und Entr’acte (après René Clair), 2014, sowie eine Reihe von neuen Arbeiten, in denen Garaicoa auf staatliche Symbole, wie sie zum Beispiel auf Briefmarken auftauchen, hinsichtlich ihrer historischen Durchlässigkeit und Reproduzierbarkeit in unterschiedlichen politischen Kontexten eingeht.