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12. März – 5. Juni 2016

RICOCHET #10. Amie Siegel. Double Negative

Die Ausstellung Amie Siegel: Double Negative zeigt sieben Werke der amerikanischen Künstlerin, die zwischen 2005 und 2015 entstanden sind. Die Film, Video, Fotografie und Installation umfassende Ausstellung stellt Korrespondenzen zwischen diesen Arbeiten her, darunter die neue, für die Villa Stuck entstandene Arbeit Double Negative, die der Schau ihren Titel gibt. Die zehnte Ausgabe der Ausstellungsreihe RICOCHET inszeniert einen Dialog mit den historischen Räumen der Villa Stuck als Ort für individuelles künstlerisches Schaffen.

RICOCHET #10. Amie Siegel. Double Negative, Museum Villa Stuck, München, 2016, Foto: Jann Averwerser

Das Interesse der Künstlerin für die jüngere Vergangenheit, für Strukturen von Zeit, Rekursion und Doppelungen wie auch für die gesellschaftliche Konstruktion von Werten – wesentlich für ihre Reflektion der Gegenwart –, dient als Ausgangspunkt für die Gliederung der Ausstellung: eine Reihe von Ritornellos, reflexive Passagen von Wiederholung und Differenz. Siegel »verfertigt, erneuert und zerlegt«, gemäß Gilles Deleuze, ihre Werke »ausgehend von einem schwankenden Horizont, von einem stets dezentrierten Zentrum und einer immer verschobenen Peripherie, die sich wiederholt und differenziert«.

Die Ausstellung zieht sich durch eine Reihe verdoppelter Räume, in gespiegelten Werken, die Siegels kritische Annäherung an Orte, Objekte und filmische Tropen zeigen. Zentrales Werk der Ausstellung ist die im ehemaligen Atelier Franz von Stucks gezeigte, aus mehreren Elementen bestehende Arbeit Provenance (2013), die in umgekehrter Richtung den weltumspannenden Handel von modernen Möbeln aus der indischen Stadt Chandigarh verfolgt: einen Weg von den Wohnsitzen begüterter Sammler über Versteigerungen, Restaurierung und Transport zurück zum Ursprungsort der Möbel, der kontroversen, von Le Corbusier geplanten Stadt. Proof (Christie’s 19 October, 2013) und das Video Lot 248 (2013) dokumentieren die Versteigerung von Provenance bei Christie’s in London und zeigen das Werk selbst als Teil des spekulativen Kreislaufs von Kunst und Kapital, den es beschreibt.

Die für die Villa Stuck erstellte Arbeit Double Negative (2015) akkumuliert Spannungen, die sich in der Abfolge der Werke aufbauen, und löst sie gleichermaßen auf. Zwei 16 mm-Filme projizieren gleichzeitig Aufnahmen von Le Corbusiers blendend weißer Villa Savoye außerhalb von Paris und deren Doppelgängerin, einem schwarzen Nachbau in Canberra, Australien. Jeder der beiden Filme wurde als Negativ auf 16 mm-Film abgezogen, sodass sich eine Umkehrung von Hell und Dunkel ergibt. Die antipodische schwarze Villa Savoye beherbergt heute das Australian Institute of Aboriginal and Torres Strait Islander Studies (AIATSIS) und ist der Herstellung digitaler Duplikate seiner umfangreichen Sammlungen anthropologischer Filme, Fotografien, Dias und Tonaufnahmen gewidmet, was Siegel in einem HD-Farbvideo im Nebenraum zeigt. Unterdessen gleiten Bilder von weißen Schwänen in Paris und schwarzen Schwänen in Canberra durch die Räume der Villa Stuck, deren Oberflächen ihre eleganten Spiegelungen sichtbar machen.

In Berlin Remake (2005) werden Außenaufnahmen aus DEFA-Filmen heutigen »Remakes« derselben gegenübergestellt, wodurch sich unheimliche Architekturen von An- und Abwesenheit ergeben; Deathstar/Todesstern (2006) stellt verschiedene gespenstisch langsame Kamerafahrten durch die Gänge früher deutscher Bauten der Moderne nebeneinander; The Modernists (2010) beschwört ein eher intimes und nicht geschlechtsspezifisches Archiv herauf – Fotografien und eine Videoprojektion verbinden sich zu einer Sammlung touristischer Schnappschüsse und Super 8-Filme, auf denen ein Mann seine Ehefrau vor modernen Skulpturen auf der Welt verstreut ablichtet; Circuit (2013), eine 360-Grad-Kamerafahrt im Naturkundemuseum von Chandigarh, folgt der Darstellung der Entwicklung der Planeten im Rundbau des Panoramas und spiegelt damit zugleich die umgekehrte Zeitachse von Provenance wider.

Die Ausstellung Amie Siegel: Double Negative in der Villa Stuck ist die zehnte Ausgabe der Reihe RICOCHET und wird von der in Madrid lebenden Kuratorin Yara Sonseca Mas betreut. Dem Geist der Villa als einer Stätte künstlerischer Produktion getreu, stellt die Ausstellung einen Dialog zwischen dem Schaffen zeitgenössischer KünstlerInnen und den historischen Räumen der Villa Stuck her. In der Reihe RICOCHET wurden bislang Cris Koch, Samantha Dietmar, Hito Steyerl, Ahmet Öğüt, Martin Mayer und Quirin Empl, Martin Brand, Anna Barriball, Jan Paul Evers, Cyrill Lachauer präsentiert.

Eine Ausstellung des Museums Villa Stuck. Kuratorin: Yara Sonseca Mas
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