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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

27. Oktober 2016 – 29. Januar 2017

Jan Toorop (1858–1928)

Jan Toorop (1858 – 1928) ist einer der bedeutendsten niederländischen Symbolisten, dessen Oeuvre außerhalb seines Heimatlandes in seiner Vielfältigkeit bisher nur wenig bekannt ist. Die Suche nach eigenen Ausdrucksformen führte ihn vom Impressionismus über den Pointillismus bis hin zum Jugendstil. Inspiriert durch namhafte Künstler wie James Ensor, Vincent van Gogh und die Maler des Symbolismus, entwickelte Toorop seinen eigenen symbolistischen Stil und wurde zu einer der innovativsten Kräfte der Malerei seiner Zeit. Erstmals wird sein umfassendes Werk nun in einer großen Übersichtsschau mit mehr als 200 Werken in Deutschland präsentiert. Zu sehen sind neben zahlreichen Hauptwerken Jan von Toorops auch Buchillustrationen sowie grafische Arbeiten, darunter zahlreiche Plakate.

Jan Toorop, Museum Villa Stuck, München 2016, Foto: Katrin Schilling

Der 1858 in der niederländischen Kolonie Java geborene Jan Toorop kam im Alter von elf Jahren nach Europa. Nach dem Besuch des Polytechnikums in Delft studierte er an den Akademien in Amsterdam und Brüssel. Dort war er 1884 Mitbegründer von »Les Vingts«, einer Künstlergruppe um James Ensor. Sein zeichnerisches Talent, sein Interesse an gesellschaftlichen Themen und vor allem für Literatur sowie seine Vorliebe für Mystik beeinflussten die Vielseitigkeit seines Schaffens. Toorop arbeitete in verschiedenen Stilrichtungen: offen für die ästhetischen Strömungen, die Europa zu seiner Zeit prägten, blieb er einer naturalistischen Darstellungsweise verhaftet, die er gegen den Postimpressionismus eintauschte, bevor er sich schließlich dem Symbolismus zuwandte.

Ab 1885 lebte Toorop wechselweise in Brüssel, Den Haag, London und bis 1892 im niederländischen Küstenort Katwijk, danach in Looduinen in der Nähe von Den Haag, wo er seine wichtigsten symbolistischen Werke schuf. In dieser Zeit entwickelte Toorop seinen eigenen, einzigartigen Stil, für den eine individuelle, dynamische Formensprache kennzeichnend ist. Als Folge eines horror vacui entstanden mit dichten, parallelen Linien überzogene Bildflächen, die für seinen Stil typisch
werden sollten. Die Alltagsrealität verschwand zunehmend aus seinem Werk und wurde durch verträumte, fantasiereiche Bilder ersetzt. Seinen formalen Ansatz entwickelte er weiter zum Art Nouveau, bei welchem sich ein vergleichbares Gefüge aus schwingenden Linien und verklärten Frauengestalten findet. Beeinflusst durch Berlage, von dem er 1898 beauftragt worden war, die »Beurs van Berlage« in Amsterdam mit keramischen Fliesen zu dekorieren, wandte sich Toorop in der Folge der sogenannten ‘Nieuwe Kunst’ zu, einer Richtung der dekorativen Künste, die ab 1895 in den Niederlanden aufkeimte. Für die Hinwendung zu diesem Stil kennzeichnend ist ein gröberer Zeichenstil. Ab 1897 schuf Toorop wieder realistischere Werke. Bis Anfang der 1920er Jahre wechselte er mehrfach seinen Wohnort, lebte aber jeden Sommer für mindestens fünf
Monate im Küstenort Domburg auf der Insel Walcheren. Dort stand er im Zentrum einer losen Vereinigung von Künstlern, zu der auch Otto van Rees, Jacoba van Heemskerck und Piet Mondrian zählten. Sie alle waren nicht einem bestimmten Stil verhaftet, sondern vielmehr in ihrer Inspiration geeint, die sie in der Landschaft und Natur der niederländischen Küstenlandschaft fanden.

Neben Amsterdam war Domburg der wichtigste Ort für die Entwicklung des Luminismus, der Niederländischen Variante des Neoimpressionismus. 1908 wurde Toorop zum herausragenden Künstler dieser Strömung gekürt. Wie an den Werken Mondrians aus dieser Zeit deutlich zu erkennen, bestand ein reger Austausch zwischen Toorop und Mondrian, nicht nur im Hinblick auf Fragestellungen der Theosophie, sondern auch zu Fragen der Form- und Farbgebung. Anfang 1909 entschloss Toorop sich, im Stil der Beuroner Schule zu malen und erreichte damit erneut einen Höhepunkt seines Schaffens im Stil des Luminismus. 1905 konvertierte er offiziell zum katholischen Glauben, zunächst um seine Ehe zu retten, widmete sich aber in der Folge – nicht zuletzt aufgrund der Lektüre Maeterlincks und Verhaerens und deren Auseinandersetzung mit dem
Verhältnis von Gut und Böse – vermehrt mystischen und religiösen Themen.

In den Jahren des ersten Weltkriegs entstanden Bilder über die Zerstörungen des Krieges und die Not der belgischen Kriegsflüchtlinge sowie eine große religiöse Arbeit, ein Kreuzweg an seinem Wohnort Den Haag, wohin er 1916 umgezogen war. In seinem Schaffen wurde Toorop zu dieser Zeit stark beeinträchtigt durch eine schwere, mit körperlichen Lähmungen einhergehende Krankheit. Der Kreuzweg wurde 1919 fertiggestellt; Toorops Lähmung schritt jedoch voran. Ab 1920 war sein linkes Bein völlig erlahmt, und er war auf einen Rollstuhl angewiesen.

Trotz seiner Krankheit arbeitete Toorop in den folgenden Jahren weiterhin intensiv und schuf hauptsächlich Zeichnungen und Grafiken, die sich mit Themen und Anliegen des Katholizismus beschäftigten. 1927 entstand sein letztes großes Werk, ein eindringliches, religiös geprägtes Selbstporträt. Am 3. März 1928 starb Toorop im Alter von 69 Jahren in Den Haag.

Bereits zu seinen Lebzeiten wurden Toorops Werke in Deutschland gezeigt: Vom 1. Juli bis zum 31. Oktober 1893 in München, außerdem ab 17. Dezember 1893 in der Ausstellung »Einige Symboliker« in der Galerie Gurlitt in Berlin. Mit der vorliegenden Ausstellung in der Villa Stuck wird es nach langer Zeit erneut möglich, mit der vollständigen Reichweite dieses bedeutenden niederländischen Künstlers in Berührung zu kommen.

Niederlande
Mit freundlicher Unterstützung des Generalkonsulates der Niederlande in München