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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck
50 Jahre Museum Villa Stuck 1968–2018

9. März – 6. Mai 2018

Betreff: Schicksal Villa Stuck

Das Neue Atelier Franz von Stucks

Zum Start der Jubiläumsfeierlichkeiten im März zieht Franz von Stucks berühmte pfeilschießende Amazone aus dem Vorgarten zurück in das Ateliergebäude; sie war der Anlass für den Bau des Neuen Ateliers 1914/15.

Es ist die weit vor der Museumsgründung liegende Schaffensperiode Stucks, die in seinem ehemaligen Atelier mit einer Überblicksausstellung seiner Skulpturen und Malerei das Jubiläumsjahr eröffnet. Im »White Cube« des Ateliergebäudes wird ein neuer, frischer Blick die Werke Stucks in die Gegenwart transformieren. Eines der größten Künstlerateliers seiner Zeit wird damit erstmals in seiner ursprünglichen Funktion und Disposition gezeigt. Die riesigen Nordlichtfenster werden geöffnet und erhellen die Atelierräume.

Erfolg und die Aussicht auf Großaufträge bewogen Stuck zum Bau eines großen Ateliergebäudes, das einen neuen und in seiner Zeit außergewöhnlichen, noch nie gesehenen Bautypus darstellte. Während Stuck im Auftrag der Stadt Köln die Großplastik der Speerschleudernden Amazone 1912/13 noch im Gigantensaal der Münchner Akademie modellierte, plante er den Neubau als harmonische Ergänzung seiner Künstlervilla und erregte mit dessen architektonischer Qualität und räumlichen Dimension Aufsehen.

Nur wenige zeitgenössische Quellen sind zum Bau des Ateliergebäudes erhalten, der zwei Wochen vor Ausbruch des 1. Weltkrieges begonnen wurde. Als großzügiger, weißer Arbeitsraum modernster Art geplant, war es seiner Zeit weit voraus. Stuck suchte in seinem Atelier nicht mehr den farbig lodernden Hintergrund als Inspirationsquelle für seine Werke, sondern bevorzugte einen lichtdurchfluteten, perfekt proportionierten neutralen Raum. Auf dem Ideal eines quadratischen Grundrisses entstanden ein Skulpturenatelier im Erdgeschoß und ein riesiger gewölbter Kuppelsaal mit Oberlichtfenstern als Malatelier im Obergeschoß. Der Innenraum des Neuen Ateliers steht im Kontrast zu den reich gegliederten Fassaden im neoklassizistischen Stil.

Die Ausstellung im ehemaligen Skulpturenatelier bietet die bislang umfassendste Schau zum plastischen Werk Franz von Stucks, das vom Nautilus mit Naturmuschel bis zum unbekannten, expressionistisch anmutenden Spätwerk reicht. Im Zentrum steht die Großplastik der Speerschleudernden Amazone. Anlässlich des Jubiläums kehrt auch der Abguss eines berühmten Rehs aus Herculaneum dauerhaft in den Vorgarten des Neuen Ateliers zurück, das einst den Rasen der Künstlervilla schmückte.

Bronzeplastiken in verschiedenen Oberflächenzuständen, farbig patiniertem Gips sowie unbekannte Bozzetti aus Stucks letzten Lebensjahren geben Einblick in den künstlerischen Entstehungsprozess. Hinzu kommen farbig gefasste Reliefs und die frisch restaurierten Originalentwürfe der Vier Elemente, die als Bauplastik die Nordfassade des Neuen Ateliers schmücken. Damit ergänzt die Ausstellung den skulpturalen Bestand von Villa, Neuem Atelier und Künstlergarten.

Die neue Präsentation im ehemaligen Malatelier zeigt die künstlerische Bandbreite des Malers Franz von Stuck, der zu den großen Bilderfindern seiner Zeit gehört: mythologische Darstellungen in deren Zentrum Archetypen von überzeitlicher Gültigkeit stehen, religiöse Darstellungen sowie Porträts, Landschaften und Plakatentwürfe.

Einem Glücksfall ist es zu verdanken, dass das Gebäudeensemble heute noch existiert; nach dem Tod des Malerfürsten 1928 durchlief das von seinen Zeitgenossen als „moderne Sensation“ gefeierte Gesamtkunstwerk Villa Stuck eine höchst wechselhafte Geschichte vom Künstlerhaus zum Museum.

Seit der Auktion 1929 bestimmen illustre Kaufinteressenten, der Einzug der Akademie für Tonkunst (1946-57) und bedeutender Nachkriegsgaleristen von Günther Franke über Otto van de Loo bis Gunther Sachs die Nutzung der Räume. Spektakuläre Umbaupläne und sogar der mögliche Abriss prägen die öffentliche Diskussion über das »Schicksal« des Hauses. Schließlich geschieht die entscheidende Wende: der Verkauf durch die Familie Stuck, die Rettung durch den Mäzen Hans-Joachim Ziersch 1965 und die Wiedereröffnung der Villa Stuck als Museum am 9. März 1968.

Unveröffentlichte Fotografien und Architekturpläne, Zeitungsartikel und ein Film (BR Archiv) eröffnen in der aktuellen Ausstellung erstmals schlaglichtartig einen Blick auf die bisweilen dramatischen Ereignisse um das Schicksal dieses Kulturprojekts von 1929-1968.

Eine Ausstellung des Museums Villa Stuck
Kuratorin: Margot Th. Brandlhuber, Museum Villa Stuck