Start > Ausstellungen > Heinrich Kley. Ein Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit - 17. Februar bis 1. Mai 2011

Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

Zur Ausstellung: Heinrich Kley

Heinrich Kley erfuhr an der Karlsruher Kunstschule unter dem Historienmaler Ferdinand von Keller (der den Beinamen »badischer Makart« trug) eine traditionelle akademische Ausbildung. Neben dem Erlernen einer präzisen Zeichentechnik und der Schulung komplexer Kompositionen stand die Aneignung eines klassischen Themenkanons im Vordergrund. Den Ausgangspunkt der Ausstellung bilden Werke, die dem Umfeld des Karlsruher Kunstlebens zuzurechnen sind (I. Themenkomplex).

Es folgt sodann ein Blick auf Kleys Auseinandersetzung mit der Welt der Industrie am Beispiel Krupp. Der Künstler erkannte in der Industriemalerei, mit der um 1900 „durch einen Zufall“ in Berührung gekommen war, bald eine Marktnische für sich und blieb hierin bis zu seinem Lebensende ein gefragter Spezialist. Auch Kleys malerisches Hauptwerk »Die Krupp'schen Teufel« von 1912/1913 ist in dieser Sektion vertreten, ein grotesk verfremdetes Monumentalbild mit riesenhaften Dämonen (II. Themenkomplex).

Daran anschließend wird Kleys Persönlichkeit sowie sein privates Umfeld betrachtet. Selbstdarstellungen in Form von Briefkarten an Freunde und Bekannte lassen diesen Bereich seines Lebens und Schaffens lebendig werden (III. Themenkomplex). Zudem geben malerische Naturstudien Einblick in die Auseinandersetzung des Künstlers mit atmosphärischen Phänomenen (IV. Themenkomplex).

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen diejenigen Werke Kleys, welche seinem Namen in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg große Anerkennung brachten und durch die Veröffentlichung im »Simplicissimus« (ab 1908) sowie in der »Jugend« (ab 1910) weithin bekannt wurden. Die Mitarbeit an den beiden Zeitschriften bewog ihn schließlich zur Übersiedlung von Karlsruhe nach München. Das erste dieser Kapitel (V. Themenkomplex) stellt seine Zeichnungen neben die Werke der prominenten »Simplicissimus«-Mitarbeiter Karl Arnold, Olaf Gulbransson, Bruno Paul und Eduard Thöny. Die drei folgenden Abschnitte der Ausstellung (VI. - VIII. Themenkomplex) veranschaulichen anhand zentraler Themen in der bildenden Kunst des späten 19./ frühen 20. Jahrhunderts (Antike, Versuchung und Verführung, Gefährliche Groteske) Kleys Phantasiereichtum und zeichnerische Meisterschaft und stellen ihm Positionen von Max Klinger, Franz von Stuck und Alfred Kubin gegenüber.

Abschließend stehen zwei Bereiche von Kleys Zeichenkunst für sich. Zum einen der Tier-Mensch-Vergleich, bei dem schon die Zeitgenossen erkannten, dass der Künstler hierin ein »unerreichter Meister« sei (IX. Themenkomplex). Zum anderen Kleys ungemeine Begabung, Menschen und Tiere auf virtuose Weise beim Tanz und in Bewegung darzustellen (X. Themenkomplex). Diese Fähigkeit ließ ihn Jahrzehnte später für Walt Disney und seine Mitarbeiter zu einem viel bewunderten Vorbild werden, was sich u.a. in Walt Disneys Aussage »without the wonderful drawings of Heinrich Kley I could not conduct my art school classes for my animators« widerspiegelt. Kleys spannender Rezeption durch den amerikanischen Zeichentrickfilm wird am Beispiel des Films »Fantasia« (1941) nachgegangen (XI. Themenkomplex).