Die Arbeit „Rose Intelligence“ entstand im Rahmen eines Forschungsstipendiums des VALIE EXPORT Centers, Linz, und war in der Ausstellung „Cache. Feministische Ästhetiken und Archivprozesse“, Lentos Kunstmuseum Linz, 2024, zu sehen. Sie besteht aus 34 Büchern und einem Hörtext. Katrin Mayer liest an diesem Abend den Text; die Bücher werden auf einem Tisch präsentiert.
Das VALIE EXPORT Center beherbergt die mehrere tausend Bücher umfassende Bibliothek VALIE EXPORTs. Katrin Mayer dokumentierte für sich, welche Bücher sie, während ihrer Aufenthalte im Center, aus dem Regal zog und kaufte einen Teil davon in Antiquariaten nach. Sie folgte dabei ganz unterschiedlichen Impulsen, aber auch Themen wie Feminismus, Computerentwicklung, Künstlicher Intelligenz und Hirnforschung. Diese Buch-Doubletten bildeten für Mayer einen Materialkorpus, den sie wiederum nach Einzelsätzen durchkämmte, deren Aussagen und Plastizitäten ihr vielfach anschlussfähig erschienen. Derart freigestellt trugen sie weiterhin Einschreibungen ihrer Quellen, ließen sich jedoch durch Mayers Montage in neue Bezugsgewebe einbinden. Strukturell ähnelt dieser Arbeitsprozess der Funktionsweise einer KI, reist jedoch zurück in ein früheres, analoges Stadium, um von dort unseren technologisch geprägten Alltag, sowie gesellschaftliche Verfasstheiten zu befragen.
Im Anschluss an die Lesung treten Katrin Mayer und Frauke Zabel in ein Gespräch. Sie knüpfen an die Lesung der Fragmente und die Arbeit in Bibliotheken an. Über die Genese der Arbeit „Rose Intelligence“ und den spezifischen Kontext hinaus werden Montageformen und Publikationspraktiken thematisiert und weitere Projekte Mayers, etwa „Flurfunker:innen“ und „c0da“, betrachtet.
Katrin Mayer arbeitet einzeln und in verschiedenen Gruppen-Konstellationen mit einem Fokus auf Ortsspezifik, Genderfragen, Vielstimmigkeit, textile und textuelle Strukturen sowie topologische Vorstellungen von Denken und Raum.
Ihre künstlerische Arbeit ist recherche-intensiv und sie hat immer wieder mit lokalen Archiven gearbeitet, aktuell zur Geschichte von Textilproduktion und Industrialisierung, eingeladen von Urbane Künste Ruhr. Im Rahmen eines Stipendiums des Berliner Programms Künstlerische Forschung (2020/2021) beschäftigte sie sich mit dem digitalen Raum und entwickelte ihre fortlaufende Publikationsplattform www.c0da.org zu feministischen Modi des Codens und Schreibens. Letzte Ausstellungen (alle 2024): Badischer Kunstverein, Karlsruhe; Kunstverein München; Lentos Kunstmuseum Linz.
Frauke Zabel ist Künstlerin und Kunstvermittlerin. Sie lehrt seit 2026 im Fachbereich Kunst und Gestaltung an der Kunstuniversität Linz. In Frauke Zabels Praxis gehen künstlerische Forschung, mediale Transferprozesse, Vermittlung und öffentliche Erscheinungsform Hand in Hand. Sie richtet ihre medial offene und oft kollaborative Arbeitsweise nach dem Anlass des öffentlich Werdens aus. Aus dem forschenden Ansatz heraus entwickelt sich eine Praxis, die die eigene Perspektive ebenso thematisiert wie die recherchierten Inhalte in einer gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Realität. Derzeit koordiniert sie mit der Künstlerin Anita Ekman (Goethe-Institut São Paulo) und dem Indigenen Anthropologen João Paulo Tukano (UFAM Manaus) das Projekt „Atlas Brasiliensis – a counter-narrative of the Rainforests“. In Zusammenarbeit mit Ivan Barreto, Carla Sarmento Fernandes, Janine Castro Fontes (Bahserikowi – Indigenes medizinisches Zentrum Manaus), Laura Kemmer (USP São Paulo) und Freg Stokes (Max-Planck-Institut für Geoanthropologie) wird dabei die koloniale Vorstellung vom Amazonas-Regenwald, seinen Bewohner*innen und die damit einhergehende Bildproduktion, die von deutschen Forschungsreisenden im 19. und frühen 20. Jahrhundert geprägt wurde, untersucht.
