Panel mit Anna Lena von Helldorff, Eva Weinmayr und Sabine Schmid

Im Rahmen des Ausstellungsprojekts „Von Büchern und Bibliotheken“

Foto: Jann Averwerser

Das Panel bringt drei Perspektiven auf Bibliotheken als soziale und materielle Konstrukte zusammen. Im Mittelpunkt stehen relationale Haltungen zum Umgang mit Texten, Bildern und Wissen sowie die Frage, wie institutionelle Ordnungen den Zugang zu Wissen strukturieren. In kurzen Inputs gibt Eva Weinmayr Einblick in ihre künstlerische Forschung über Beschreibungs- und Katalogisierpraktiken in Bibliotheken des Globalen Nordens. Anna Lena von Helldorff führt diese Überlegungen aus der Perspektive der Gestalterin weiter und richtet den Blick auf die Materialität des Buches und die darin eingeschriebenen Systematiken. Sabine Schmid verankert das Gespräch im Ausstellungsprojekt vor Ort und reflektiert dessen Kontext, Fragestellungen und räumliche Anordnung.

Eva Weinmayr hat an der Kunstakademie München studiert. Sie forscht, gestaltet, organisiert und veröffentlicht an der Schnittstelle zwischen Kunst, Pädagogik und der Analyse von Institutionen. Ihr Schwerpunkt liegt auf dekolonial und feministisch-intersektional argumentierenden Diskursen und Praktiken zur kollektiven Wissensbildung, die sie als künstlerische Gestaltung interpretiert.
Sie lehrt zur Zeit als Gastprofessorin für „Critical Access“ an der Basel Hochschule für Gestaltung und Kunst. Sie hat in international anerkannten Institutionen ausgestellt (Biennale di Venezia, National Art Gallery Warsaw, Contemporary Art Museum St Louis, Whitechapel Art Gallery, The Showroom London, SALT Istanbul) und in zahlreichen Verlagen und Fachzeitschriften publiziert. Derzeitige Prokekte umfassen „Teaching the Radical Catalogue – a syllabus“ (mit Lucie Kolb), „Ecologies of Dissemination“ (with Femke Snelting) und „kritilab“, eine Open-Source-Plattform für diskriminierungskritische Lehre in den Künsten.

Anna Lena von Helldorff lehrt seit 2023 Typografie an der HGB Leipzig. Gestalterisch arbeitet sie interdisziplinär und prozesshaft an Entwürfen und Form(at)ierungen des Öffentlich Seins und Werdens — um Fragen zu stellen und fort zu setzen. Was siehst du, was denkst du darüber? Was machst du damit?
Sie versteht die Praxis als Interpretation, ein Eintreten für etwas – in temporäre Konstellationen und langfristige Kollaborationen u.a. mit Heike Geißler, Susanne Beck (seit 2023) und Frauke Zabel. Sie initiiert Projekte wie „Fragen für Alle“ (A. Dyes, H. Geißler, 2015/16) und agiert in Interventionen wie „re:set“, Kunsthaus Graz (2017–19); 2014 gründet sie im Kollektiv den KV – Verein für zeitgenössische Kunst in Leipzig, 2019 mit dem ADKV-ART COLOGNE Preis ausgezeichnet und entwirft in einem erweiterten Verständnis von Gestaltung Infrastruktur(en) und Programm. Sie ist Mitglied der AGI und lebt seit 2019 (wieder) in München, um sich mit dem Nachlass ihres Vaters und Gestalters Rolf Müller auseinander zu setzen.

Sabine Schmid kuratierte als langjährige Mitarbeiterin im Museum Villa Stuck das Projekt „Von Büchern und Bibliotheken“. Dieses knüpft an eine Reihe an, die sie im Interimsquartier VS des Museums 2024/2025 initiierte. In einem eigens eingerichteten Leseraum waren dort drei Bibliotheks-Projekte zu Gast: Annette Gilberts „Library of Artistic Print on Demand“, Claudia de la Torres „The Questions Library“ und eine Bilder-Buch-Bibliothek in Kooperation mit der Buchhandlung Kuckuck. Zudem co-kuratierte sie 2025 die Leipziger Independent Publishing Fair „It’s a book“ mit einem Schwerpunkt zu Bibliotheken, betrachtet aus verschiedenen Blickwinkeln.