Das Museum Villa Stuck freut sich über die anstehende Schenkung eines Gemäldes von Franz von Stuck mit dem Titel „Damenporträt à la japonaise“ für seine Sammlungen vom Verein zur Förderung der Stiftung Villa Stuck e. V. Das Werk kehrt damit an den Ort seiner Entstehung zurück. Im Besitz der Sammlungen befindet darüber hinaus eine Porträtfotografie des unbekannten Modells, die von Franz oder Mary von Stuck im eigenen Fotostudio aufgenommen wurde sowie eine Ansicht des Alten Ateliers der Villa Stuck um 1900, auf der das Gemälde auf einer Staffelei zu sehen ist.
Kostümierungen in exotischer Tracht durchziehen Franz von Stucks gesamtes Werk – bekannt sind seine zahlreichen Rollenporträts seiner Tochter als Torero, Infantin nach Diego Velasquez und Griechin oder von Modellen als Ägypterin, Römerin oder als Spanierin, meist umgeben sind von einer Aura des Geheimnisvollen und Rätselhaften. Dies gilt auch für unser Bildnis, das in Bezug auf Exotik in Stucks Werk einen neuen Aspekt hinzufügt, der den Blick auf eine außereuropäische Kultur richtet: Es zeigt eine unbekannte Dame in einem kunstvoll bestickten Kimono, in selbstbewusster, beinahe herausfordernde Haltung. Sie trägt einen geknoteten Obi-Gürtel, ist stark geschminkt mit kleinem roten Mund, rotem Rouge auf den Wangen und einem hellen, porzellanartigen Teint einer japanischen Geisha und trägt die traditionellen Haarnadeln Kanzashis, die als Glücksbringer und in neuerer Zeit zumeist von Bräuten getragen wurden.
Seit sich Japan nach jahrhundertelanger Isolation 1873 erstmals auf der Weltausstellung in Wien dem Westen präsentiert und 1885 in München die erste Japan-Ausstellung in Deutschland stattgefunden hatte, wurde die Stadt von einem regelrechten Japanfieber erfasst. Unter den internationalen Musiktheaterproduktionen, prägten besonders die 1886 im Gärtnerplatztheater aufgeführte Oper "Der Mikado" (Gilbert & Sullivan, London 1885) und "Die Geisha" in Wien 1898 (Sidney Jones, London 1896) das Japanbild als westliche Fantasie mit üppigen Kostümen und sinnlicher Musik – in der Folge sollen bis zu hundert Geschäfte die Münchner Gesellschaft mit japanischen Stoffen, Geräten und Schmuck versorgt haben.
Franz von Stucks Ehefrau trat als begabte Sängerin in privaten Vorstellungen in "Der Mikado" auf und der Kgl. Hofschauspieler Konrad Dreher, der mit Stuck befreundet war, brillierte viele Jahre in der Hauptrolle der Münchner Produktion.
