Dayanita SinghDancing with my Camera Ab 20. Oktober 2022

Dayanita Singh, Museum of Chance, 2013 © Dayanita Singh

Das Museum VILLA STUCK zeigt die bisher umfassendste Retrospektive der international renommierten Künstlerin Dayanita Singh (*1961, New Delhi), die mit ihrem Werk eine singuläre Position innerhalb der fotografischen Tradition einnimmt. In ihrem Werk arbeitet Singh mit Fotografie, durch ihren konzeptuellen und performativen Zugang versucht sie aber stets, die Grenzen des Mediums auszuloten. Die Künstlerin hat im Laufe der letzten 40 Jahren zahlreiche Motive in ihren schwarzweißen Fotografien festgehalten. Dennoch geht es dabei nie um das einzelne Bild, sondern um die Beziehungen, die zwischen den Aufnahmen entstehen können. Ihr großes Bildarchiv dient Singh als Ausgangspunkt der künstlerischen Beschäftigung. Hier versammelt sie ihre Fotografien, die formale Ähnlichkeiten aufweisen, aber Räume und Menschen zeigen, die örtlich und zeitlich teilweise weit voneinander getrennt sind. Die Verbindungen, die sie zwischen den Bildern herstellt, sind nie abgeschlossen. Daraus entsteht ein konzeptueller Anspruch an die Präsentation der Fotografien, da sie dem Gedanken an die Beweglichkeit des Mediums Rechnung tragen.

Dayanita Singh versteht sich als „offset artist“, d.h. als Büchermacherin, die mit Fotografien arbeitet. Ihre ersten Werkgruppen sind als Buchprojekt entstanden, denn dort nehmen die künstlerischen Überlegungen ihren Anfang. In Buchobjekten verquickt sie die Bilder zu bestimmten Narrationen, das Blättern der Seiten stellt jedoch eine Möglichkeit dar, die Bilder in Bewegung zu halten wie auch die Bücher selbst in Bewegung bleiben, da sie als mobile Objekte in jeden Raum getragen werden können. Im Laufe der Zeit und vor allem durch ihre Auseinandersetzung mit dem Medium „Ausstellung“ hat sie eine Reihe von modularen, teils architektonisch anspruchsvolle Display-Strukturen entwickelt, die einen schnellen Wechsel von Bildern ermöglichen und zugleich die Bilder in räumlicher Beziehung zueinander und in Beziehung zu den Betrachter*innen treten lassen.

Die Ausstellung zeigt eine große Vielfalt dieser radikalen Präsentationsformen – modulare Strukturen aus Holz, Künstlerinnenbücher, Sammlungen von Drucken –, die thematisch in sieben Kapiteln gegliedert sind: Ascetic, Khali, Rohtak Road, Music, Mona, Offset und Architectures. Sie lassen Singhs langjährige Beschäftigung mit indischer Musik, mit der Veränderung der indischen Gesellschaft, mit Freundschaften, Geschlechterrollen und vieles mehr greifbar werden.

Dayanita Singh gehört zu den wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart. Einzelausstellungen u.a. im MMK, Frankfurt; in der Hayward Gallery, London, im Hamburger Bahnhof, Berlin, und am Art Institute of Chicago. 2013 bespielte Singh den deutschen Pavillon auf der 55. Venedig-Biennale.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog bei Hatje Cantz in Deutsch und Englisch, der die bisher umfassendste Publikation über Singhs Kunst darstellt. Dort werden alle wichtigen Schaffensphasen der Künstlerin in wissenschaftlichen Beiträgen vorgestellt und ein Einblick in das Archiv von Singh ermöglicht; zu sehen sind u.a. noch nie gezeigte frühe Arbeiten aus den 1980er-Jahren sowie eine neue Serie von Montagen und die Arbeiten Let's see, Museum of Chance, Museum of Shedding, I am as I am, Go Away Closer und Box 507.