ManifestoJulian Rosefeldt -

Manifesto © Julian Rosefeld
Manifesto © Julian Rosefeld

Manifesto ist eine gemeinsame Produktion des Australian Centre for the Moving Image Melbourne, der Art Gallery of New South Wales Sydney, der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin und dem Sprengel Museum Hannover. Das Projekt wurde von der Ruhrtriennale und der Burger Collection Hongkong koproduziert. Es entstand dank der großzügigen Unterstützung des Medienboards Berlin-Brandenburg und in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk.

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

1 / 7

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

2 / 7

Manifesto © Julian Rosefeld

Manifesto © Julian Rosefeld

3 / 7

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

4 / 7

Manifesto © Julian Rosefeld

Manifesto © Julian Rosefeld

5 / 7

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

6 / 7

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

Installationsicht "Manifesto. Julian Rosefeldt", Museum Villa Stuck, Foto: Jann Averwerser

7 / 7

Die 13-teilige Filminstallation »Manifesto« des Film- und Videokünstlers Julian Rosefeldt ist eine Hommage an die bewegte Tradition und literarische Schönheit von Künstlermanifesten und befragt nicht zuletzt die Rolle des Künstlers in der heutigen Gesellschaft. Mit großer Polemik wenden sich diese Texte gegen althergebrachte Konventionen und fordern eine Erneuerung der Kunst. »Manifesto« greift auf zahlreiche Originaltexte zurück, die von Vertretern des Futurismus, Dadaismus, Fluxus, Suprematismus, Situationismus bis hin zu Dogma 95 – von Künstlergruppen ebenso wie von einzelnen Künstlern, Architekten, Tänzern oder Filmemachern – verfasst wurden.

Durch Kürzung und Kombination der ursprünglichen Schriften von Claes Oldenburg, Yvonne Rainer, Kasimir Malewitsch, André Breton, Sturtevant, Sol LeWitt, Jim Jarmusch und anderen hat Rosefeldt 13 neue Textcollagen erstellt. Als gespielte und gesprochene Monologe werden die künstlerischen Weltentwürfe und Ideen des 20. und 21. Jahrhunderts in »Manifesto« zu einem »Manifest der Manifeste« verdichtet und in unerwarteten heutigen Kontexten angesiedelt: Sie sind in der Gegenwart verortet, um zu zeigen, dass ihre flammenden Proteste auch heute noch relevant sind. Hauptdarstellerin aller Episoden ist die australische Schauspielerin Cate Blanchett; sie spielt 13 Charaktere von der Börsenmaklerin über die Grundschullehrerin bis hin zur Punkerin und zum Clochard. Sie stellt nicht nur ihre enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis, sie verleiht zudem den Originalschriften eine eigene performative Kraft.

Hochkonzentriert wurden die Episoden mit der Schauspielerin in Berlin im Winter 2014 in nur zwölf Tagen gedreht. Eine große Herausforderung stellte allein die Textmenge dar, die zudem noch in zwölf verschiedenen Akzenten gesprochen werden sollte. »Beim Dreh fand ich es bemerkenswert, wie frisch die Sprache noch war und wie sehr in Einklang mit den scheinbar zufälligen Szenarien«, erklärt Cate Blanchett in einem Interview: »Manche der damals radikalen Texte bekamen in den neuen Kontexten fast etwas Mainstreamhaftes, Populistisches.«

Rosefeldts Filminstallation führt uns die Kontinuität und Aktualität der politischen Aussagekraft dieser Künstlermanifeste vor Augen. Oft in jugendlicher Rage verfasst und hoffnungsvoll an die Kunst als Mittel zur Weltverbesserung glaubend, vereinen sich die Texte zur Stimme ihrer Generation. Was ist heute von der Kraft dieser historischen Texte geblieben, die einst mit Leidenschaft und Überzeugung geschrieben wurden? Haben die darin geäußerten Ansprüche und Ideen die Zeit überdauert? Besitzen sie gar universelle Gültigkeit? Wie hat sich das Zusammenspiel von Politik, Kunst und Leben bis heute verändert?

Mit dem Drehbuch für die Filminstallation wollte Julian Rosefeldt »eine Hommage an die Schönheit von Künstlermanifesten« schreiben. Auf das Thema war er durch die Arbeit an seinem Film Deep Gold gestoßen, den er im Rahmen des Ausstellungsprojekts Der Stachel des Skorpions 2014 im Museum Villa Stuck präsentierte. Dabei handelt es sich um eine Auseinandersetzung mit L’Âge d’Or – Das Goldene Zeitalter (1929/30) von Luis Buñuel, dem Skandalfilm des Surrealismus. In den gleichen Räumen zeigt das Museum Villa Stuck nun auch die monumentale Filminstallation »Manifesto«. 13 großformatige Projektionen verteilen sich über zwei Stockwerke sowie die Empore und sind über die gläserne Wendeltreppe optisch und akustisch miteinander verbunden.

Zu Julian Rosefeldt

Der in Berlin arbeitende Künstler Julian Rosefeldt ist international für seine visuell opulenten und minutiös inszenierten Filmarbeiten bekannt, die zumeist als komplexe Mehrkanal-Installationen angelegt sind. Gleichermaßen inspiriert von der Geschichte des Films und der Populärkultur, bedient sich Rosefeldt vertrauter Filmklischees, um den Betrachter in surreale, inszenierte Situationen zu entführen, deren Protagonisten gänzlich in die Rituale des Alltags vertieft erscheinen. Mit Humor und Satire lockt Rosefeldt den Betrachter in vermeintlich vertraute, jedoch verfremdete Welten.

Julian Rosefeldt (geb. 1965 in München, lebt in Berlin) studierte Architektur in München und Barcelona. Seit 1994 arbeitet er als Künstler – bis 1999 im Duo mit Piero Steinle. Seine Werke waren unter anderem im MoMA P.S.1 in New York, auf der Biennale in São Paolo, im Kunstmuseum Bonn und in der Kunsthalle Wien zu sehen. Seit 2011 ist Rosefeldt Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Publikation

Zur Ausstellung erschien ein Künstlerbuch, herausgegeben von Anna-Catharina Gebbers und Udo Kittelmann für die Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin; Justin Paton und Anneke Jaspers für die Art Gallery of New South Wales; Reinhard Spieler für das Sprengel Museum Hannover; Sarah Tutton für das Australian Centre for the Moving Image. Mit Beiträgen von Burcu Dogramaci, Anna-Catharina Gebbers/Udo Kittelmann, Reinhard Spieler sowie einem Interview mit Julian Rosefeldt von Sarah Tutton und Justin Paton. Das Buch enthält zudem die von Julian Rosefeldt erstellten Textcollagen aus zahlreichen Manifesten. 104 Seiten mit 125 farbigen Abbildungen, Leinen mit Banderole.

Deutsche Ausgabe ISBN: 978-3-86335-855-6 (inkl. Übersetzung der Textcollagen der Manifeste). Englische Ausgabe ISBN: 978-3-86335-856-3