Das Museum Villa Stuck verzeichnet einen bedeutenden Zuwachs: Der Verein zur Förderung der Stiftung Villa Stuck e. V. schenkte dem Haus ein bislang unbekanntes Gemälde von Franz von Stuck mit dem Titel Damenportrait à la japonaise. Das Werk, das ursprünglich aus dem Besitz des Stuck-Schülers Max Ackermann stammt, kehrt damit an den Ort seiner Entstehung zurück. Die Neuerwerbung schließt eine Lücke in den Sammlungen und eröffnet durch aktuelle Forschungen einen neuen Blick auf den Kosmos des Symbolisten.
Rollenporträts und Metamorphosen sind zentrale Motive in Stucks Werk. Während Darstellungen als Torero, Infantin, Ägypterin oder Spanierin bereits bekannt sind, fügt das Damenportrait à la japonaise dem Schaffen des Künstlers durch den Fokus auf eine außereuropäische Kultur einen neuen Aspekt der Exotik hinzu.
Das Gemälde wirkt ungemein modern und zeigt „Die Münchnerin“ in einem bestickten, europäischen Kimono mit Obi-Gürtel. Die selbstbewusste Haltung, das Make-up im Stile einer Geisha sowie die Kanzashis (traditionelle Haarnadeln) unterstreichen wie so oft die Aura des geheimnisvollen und Rätselhaften in Stucks Damenporträts.
Hintergrund des Werkes ist das Ende des 19. Jahrhunderts herrschende „Japanfieber“ in München. Asiatika wurden zum festen Bestandteil der Raumausstattung; auch in der Villa Stuck diente der mit Asiatika ausgestattete Speisesaal als Bühne für Künstler und Gesellschaft. Der Japonismus wurde zudem durch Musiktheaterproduktionen wie Der Mikado und Die Geisha befeuert, die das Japanbild als westliche Fantasie mit üppigen Kostümen prägten.
Persönliche Verbindungen vertiefen den Kontext: Stucks Freund, der Hofschauspieler Konrad Dreher, feierte Triumphe als Ko-Ko in Der Mikado, und auch Stucks spätere Ehefrau Mary Lindpaintner trat als Sängerin in Mikado-Vorstellungen auf. Die begleitende Ausstellung im Verbindungsbau zeigt neben dem Portrait auch Vorstudien, Fotografien von Mary von Stuck und Lydia Feez im Kimono sowie einen Original-Damenkimono aus Stucks Atelier.
