Flucht, Trauma und Sehnsucht sind die zentralen Themen der Ausstellung „Zehn Leben“ von Delschad Numan Khorschid und Jan-Hendrik Pelz im Museum Villa Stuck. Delschad Numan Khorschid, Ensemblemitglied des Münchner Residenztheaters, verarbeitet die traumatischen Erinnerungen an seine einsame Flucht als Kurde aus dem Irak nach Deutschland in Gemälden, Fotografien und Texten. Jan-Hendrik Pelz macht mit großformatigen, meist fotorealistischen Gemälden und Skulpturen auf migrantische Schicksale und die damit verbundenen Traumata aufmerksam. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftspolitischer Debatten, in denen Migration häufig auf Zahlen sowie Zurückweisungs- und Beschränkungsforderungen reduziert wird, eröffnet diese Ausstellung einen Raum für Empathie und Verständnis. In dem derzeitigen Klima des Unerwünschtseins sind die Werke dieser Ausstellung ein bewegender und kraftvoller Aufruf zu mehr Menschlichkeit.
Der Autor, Schauspieler und Künstler Delschad Numan Khorschid wurde Anfang der 1980er Jahre im Norden des Irak geboren; seine Familie gehörte zur kurdischen Minderheit. Während der sogenannten „Anfal-Operation“ Ende der 1980er Jahre, einem unter dem Baath-Regime von Saddam Hussein verübten Genozid an den Kurden, verlor er seinen Vater und große Teile seiner Familie. Auch nach der „Anfal-Operation“ durften kurdische Kinder keine Schule besuchen und blieben staatenlos. Delschad Khorschid brachte sich Lesen und Schreiben selbst bei – mit Stiftstummeln und Papierfetzen, die er im Müll fand. Nach einer über zweijährigen Flucht kam Khorschid 2003 in München an. Die private Schauspielschule in Berlin, an der er 2016 seinen Abschluss machte, war die erste Schule, die er in seinem Leben besuchte. Seit 2019 ist er Ensemblemitglied des Münchner Residenztheaters. Im selben Jahr erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und damit den ersten Pass seines Lebens. 2025 wurde er für sein Buch „Nirgendwo ist mein Zuhause“ (Schillo Verlag) mit dem Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur ausgezeichnet.
Jan-Hendrik Pelz wurde 1984 in Filderstadt geboren und studierte an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Christian Jankowski. 2011 absolvierte er ein Erasmus-Stipendium in Basel, 2018 folgte im Rahmen des Weißenhof-Programms der Meisterschüler-Titel. Er arbeitet derzeit in den Bereichen Malerei, Installation sowie Konzept- und Videokunst. Jan-Hendrik Pelz nahm an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil. Unter anderem präsentierte er seine Werke in New York (USA), Bogotá (Kolumbien), auf der Istanbul-Biennale in der Türkei sowie in Ausstellungen in London. 2022 wurde das Projekt „An Inner Place“ während der documenta 15 im ruruHaus gezeigt.
