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Koloman Moser. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann

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Wien als Bühne der Künste

Unter dem Titel Wien als Bühne der Künste widmet sich das einleitende Kapitel dem Umfeld, das den jungen Moser prägt. Wien erlebt von 1860 bis 1890 eine rasante gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Ein erstarktes Großbürgertum ermöglicht den Künsten neue Betätigungsfelder. Moser wächst mit einer dynamischen Künstlergeneration heran, die stark in der Tradition verankert ist. Prägend für Moser ist insbesondere der Gesamtgestaltungsanspruch des Historismus, wonach Architektur, Malerei und Bildhauerei als gleichwertige Elemente in die Realisierung von Ausstattungsprojekten einfließen. Werke unter anderem von Hans Makart und Gustav Klimt stehen in diesem Kapitel der Ausstellung neben frühen, noch ganz dem Naturalismus verhafteten Ölbildern und grafischen Arbeiten Koloman Mosers.

Koloman Mosers frühe Jahre

Koloman Mosers frühe Jahre (1886-1896), das zweite Ausstellungskapitel, zeigt den jungen Moser als freischaffenden Künstler. Um sein Studium der Malerei an der Kunstgewerbeschule (1893-1895) bei Franz Matsch finanzieren zu können, betätigt sich Moser bereits ab 1888 intensiv als Illustrator für Bücher und Zeitschriften. Mit jungen Künstlerkollegen, die mit der dem Naturalismus verschriebenen Wiener Kunstszene zunehmend unzufrieden sind, schließt er sich zum Siebener-Club zusammen, aus dem später die Secession hervorgeht. Eine Zeichnung Gustav Klimts zur Allegorie der Skulptur, die dieser für Martin Gerlachs Vorlagenwerk für Kunstgewerbetreibende Gerlach's Allegorien. Neue Folge angefertigt hat, führt Moser in eine neue zukunftsweisende künstlerische Welt, aus der er schließlich unter Einfluss der japanischen Kunst die sogenannte Wiener Flächenkunst entwickelt.

Die Einheit von Form und Funktion

Das dritte Kapitel Die Einheit von Form und Funktion (1889 -1895) ist dem Architekten und Vater der Moderne Otto Wagner sowie seiner prägenden Rolle für Mosers Werdegang gewidmet. Wagner kritisiert den Einsatz historischer Stile und prägt den sogenannten Nutzstil. Die Einheit von Form und Funktion »form follows function« wird zum Credo der Moderne. Wagners Ideen haben großen Einfluss auf die unter anderen beteiligten Gründungsmitglieder der Secession: Gustav Klimt, Koloman Moser, Carl Moll, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich. Wagner ist es auch, der Moser gemeinsam mit Josef Hoffmann für eine Professur an der Kunstgewerbeschule des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie vorschlägt. Letztendlich orientieren sich die Secessionisten allerdings an der Arts and Crafts-Bewegung, die der Realisierung der künstlerischen Idee den Vorrang vor der Funktion gibt.

Die Einheit der Künste

Das vierte Kapitel Die Einheit der Künste zeigt Moser als Gründungsmitglied der Secession und Universalkünstler. Inspiriert vom Konzept des Gesamtkunstwerks der Secession, widmet sich Moser nun ausschließlich der Ausstellungs-, Bühnen- und Innenraumgestaltung sowie der Mode. In Zusammenarbeit mit Josef Hoffmann entstehen Innenraumkonzepte, die als Wiener Raumkunst international bekannt werden.

Um 1900 kommt es zu einer markanten stilistischen Zäsur. Ein flächiger, geometrisch reduzierter Ausdruck dominiert nun Mosers Entwürfe, das Quadratdekor wird zu einem seiner Markenzeichen. Der sogenannte Wiener Stil ist geboren. Gemeinsam mit Josef Hoffmann und dem Mäzen Fritz Waerndorfer gründet Koloman Moser schließlich die Wiener Werkstätte (1903), die die kompromisslose Umsetzung des Gesamtkunstwerks ermöglicht. Als einer der Höhepunkte der Ausstellung entführt dieser Ausstellungsbereich in die beeindruckende Fülle von zeitlos schönen Innenraumgestaltungen, Möbeln, Metallgegenständen, Lederarbeiten und Schmuck, die allesamt in der Wiener Werkstätte entstanden sind.

Abschied von der Einheit der Künste

Das fünfte Ausstellungskapitel, das mit dem Titel Abschied von der Einheit der Künste überschrieben ist, zeigt Koloman Moser in einem neuen Abschnitt seiner künstlerischen Laufbahn: Nach seinem Austritt aus der Wiener Werkstätte im Jahr 1907, zu dem ihn die zunehmende Abhängigkeit von einem kleinen Kreis von Mäzenen veranlasst, widmet er sich bis an sein Lebensende 1918 fast ausschließlich der Malerei und kehrt damit an den Ausgangspunkt seiner Künstlerlaufbahn zurück.

Koloman Moser und die Bühne

Unter der Bezeichnung Koloman Moser und die Bühne widmet sich das sechste und letzte Kapitel der Ausstellung, dessen Exponate der von Daniela Franke und Kurt Ifkovits für das Theatermuseum Wien kuratierten Ausstellung entstammen, dem bisher wenig beachteten Bühnenschaffen von Koloman Moser. Erstmals wird die Gesamtheit seiner Theaterarbeiten – von der intimen Kabarettbühne bis zur großen Opernausstattung, gezeigt. Neben grafischen Arbeiten zum Wiener Volkstheater und zum modernen Bühnentanz ab 1900, Entwürfen zur Stilbühne, die Moser 1901 für Felix Saltens Jung-Wiener Theater „Zum lieben Augustin“ entwickelt hat, diversen Theaterausstattungen und Dekorationsentwürfen, sind Arbeiten aus der Zeit nach 1910 zu sehen, in der sich Koloman Moser vermehrt dem Musiktheater zuwendet. Zahlreiche Entwürfe zu Theaterprojekten, realisiert oder Konzept geblieben, zeigen die verschiedenen Phasen und Ausprägungen seines Bühnenschaffens, die mitunter in direktem Zusammenhang mit seinen Erfahrungen und praktischen Fähigkeiten aus anderen künstlerischen Bereichen stehen.