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PHANTOM OKTOBERFEST
OKTOBERFEST PHANTOM

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So wird in dieser Arbeit der Phantomschmerz über die Abwesenheit des Oktoberfestes, aber auch der Phantomschmerz darüber, dass aus den massenhaften narzisstischen Äußerungen der Selfies ein Ort der Abwesenheit jeden Individuums entsteht, sichtbar und vor allem fühlbar werden.

Erinnerung konstituiert das Individuum. Hier zeigt sich die Begegnung der massenhaften individuellen Erinnerung mit der Glättung der Statistik. Auskristallisiert durch den Zufall von Corona. Bild unserer Epoche.
Philip Gröning

Die Installation

Im Raum können vier Betrachter*innen simultan die VR-Headsets nutzen. Sie stehen in Abständen voneinander, unter schwachen senkrechten Lichtquellen. Im Raum verteilt gibt Objekte, Ausdrucke der ruinösen Skulpturen, die sich für die KI ergeben wo die Menschenmassen das klare Erkennen des Ortes unmöglich machen - organisch anmutende Reste der Präsenz von Menschen. Außer den Betrachter*innen befinden sich im Raum zu jedem VR-Set zugeordnet Personen in Schutzkleidung. Reglos, außer in den Momenten der Desinfektion der VR-Sets bei Nutzerwechseln. Nach jedem dieser Wechsel gehen sie auf ihre Positionen, setzen sie sich auf die Objekte, legen sich flach auf den Boden daneben, oder stellen sich an eine choreografierte Position. Reglos, wartend, stumm, präsent. Wächter und Virus in einem.

User Experience

KI ist nicht nur ein rechnerisches Mittel oder ein Themenfeld. KI gilt mittlerweile als künstlerisches Ausdrucksmittel, das im globalen Kontext strukturell neuer medialer Umsetzungsmöglichkeiten bedarf. In seinem Projekt will Philip Gröning die Erwartungshaltung an KI in Form einer immersiven Ebene ästhetisch weiterentwickeln. Der Betrachter findet sich im phantomhaften sozialen Erinnerungsbild der Oktoberfestzelte als instabiler Punktwolke. Innerhalb dieser Punktwolke kann man sich frei bewegen bzw. navigieren. Sobald der Betrachtende seine virtuelle Position verändert, erlebt er/sie radikale Veränderungen der Tonwahrnehmung. Der – für gewöhnlich als kontinuierlich erlebte – akustische Raum wird zu einem Raum unterschiedlicher tonaler Inseln.

Aus Tausenden von Tonclips verschiedener Jahre werden durch die KI die Elemente isoliert bzw. statistisch verrechnet: Stimmlaute, Geräusche von Maßkrügen, Spülküchen, Rhythmen der Musik, das Prosit, die Pissoirs, der Wind, das Johlen der Betrunkenen. Aus der Masse der Töne hörbar gemacht, Gegenstück eines akustischen Mikroskops. Den Klangteppich des Bierzeltes in eine klangliche Dekonstruktion getrennter Töne zerlegend. Und den akustischen Raum in ein diskontinuierliches Gegeneinander zersplitternd.

Erinnerung ist ein komplexes Gewebe. So, wie in der Erinnerung separate Elemente zu einer imaginären Gestalt verschmelzen, so werden sich auch Außentöne des Oktoberfestes, - die Fahrgeschäfte, das Kreischen der Menschen, die Geräusche der Zeltgassen - im Inneren der Zelte akustisch wiederfinden. Abbild der Gesamtheit des Oktoberfestes als erlebter Abwesenheit. Gemeinsam ergeben die ruinöse Punktwolke und die wie verschliert wirkende punktuelle Landschaft der Töne einen riesigen Deutungsraum. Das Erinnerungsfeld dessen, was die KI aus den konkreten Erinnerungen einzelner Individuen als statistisches Abbild errechnet. Nunmehr in Abwesenheit konkreter Menschen.

Ich habe mich mein gesamtes Leben mit der Frage von Zeit und Raum beschäftigt. Mit der Frage ihrer Verdichtung. X Achse, Y Achse, Z Achse des Lebens. Nicht verdichtbar im wirklichen Leben. Aber nun auf neue Art doch. In der Statistik. Und in der KI.
Philip Gröning